TV-Tipp, 09.10.18, 22:15, SAT1: Nina Queer in “Akte“

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Cher veröffentlicht neues Album mit ABBA-Coverversionen: “Dancing Queen“

Wer hätte das gedacht, Cher veröffentlicht nach ihrem Gast-Auftritt im Filmmusical “Mama Mia – Here we go again“, wo sie bereits zwei ABBA-Titel beisteuerte, ein komplettes Album mit ABBA-Cover-Versionen. Also ich war sehr überrascht und hätte es nicht erwartet!

Bereits in den 90er Jahren coverten Erasure mit “ABBA-esque“ die erfolgreiche schwedische Band. Madonna sagte in einem 90er-Jahre-Interview, während ihrer “Erotica“-Phase, sie fände ABBA langweilig, schrieb aber etlilche Jahre später einen Bettel-Brief an ABBA, um die Rechte für deren Song “Gimme, Gimme, Gimme“ zu erhalten, wodurch sie einen Mega-Hit mit ihrer “Mash-up“-Version “Hung up“ landete.

Chers (72) Opener ist der Titeltrack “Dancing Queen“. Ganz so frisch wie ABBA klingt sie hier nicht, was sehr wahrscheinlich am hohen Altersunterschied während des Aufnahmezeitraums klingt. Wie ABBA heute bei der Interpretation dieses Evergreens klingen würden, mag man nur erahnen, da diese sich als Band komplett aus der Musikwelt zurückgezogen haben – von einem einmaligem Comeback wird in UK gemunkelt. Cher versucht bei diesem Song sehr am Original zu bleiben, aber es hört sich leider nur sehr nachgesungen an, ohne viel Power in der Stimme.

“Gimme, Gimme, Gimme (a man after midnight)“ fetzt schon mehr, mit lautem Bass und man hat hier das Gefühl, Cher musste leider mit “Dancing Queen“ erst einsingen, aber das sei ihr verziehen, das Konzept ABBA geht auf. Das “gimme“ zwischen den Strophen wurde sehr von Madonnas Song “Sorry“ nachgemacht, passt aber super zum Song. Madonna hatte übrigens auch etliche Autotunes-Sequenzen nach Chers Über-Hit “Believe“ übernommen. Weniger erfolgreich, aber nicht unbedingt schlechter sind die ABBA-Cover von 80er-Jahre-HiNRG-Star Hazell Dean.

Mit “Waterloo“ schafften ABBA 1974 den Durchbruch und gewannen den Grand Prix de Eurovision. Wesentlich mehr Bums hätte ich bei Chers Version schon erwartet. Sogar ich hatte den Song im Duett beim Karaoke mit mehr Schmiss performt und tosenden Applaus in einer Lesben-Kneipe erhalten, als ich dort meinen Geburtstag bei der Transe Nina Queer feierte und eine Flasche Eierlikör gewann. Es gibt eine Best-of-ABBA-CD, auf der die vier Schweden ihre großen Hits auf spanisch singen. Die lege ich immer ein, wenn ich den üblichen ABBA-Songs überdrüssig bin. Chers Cover-Album ist auch so eine CD wie diese Spanische… Ein Ersatz für “nach dem üblichen ABBA-Überdruss“. Halt nicht das Original.

“Mamma Mia“ solo zu singen, gelingt nicht wirklich. Auch Cher nicht.

“SOS“ wurde als beschwingter Popsong aufgenommen. Eigentlich unglaublich, wie unbedarft Cher mit über 70 Jahren noch in der Lage ist, fröhliche Popsongs aufzunehmen, die nicht an den Haaren herbeigezogen und nur gewollt klingen. Daran können sich so einige Sängerinnen ab Ü20 ein Beispiel an Cher nehmen. Sie mag operiert sein, aber die Stimme ist es nicht.

“The winner takes it all“ – Das ihrer Mutter gewidmete ABBA-Cover-Album stürmte weltweit die Top-5 der Album-Charts in England und USA auf #2. Man kann hier ganz und gar nicht von einem Flop-Album sprechen, auch wenn viele das gerne täten. Ich drücke ihr die Daumen, dass sie Rod Stewart mit “Blood Red Roses“ und Logic mit “YSIV“ als tanzende Queen vom Charts-Thron in England und USA stürzt. In Deutschlands Album-Charts stieg Cher hinter Bushido, Rosenstolz, Kastelruther Spatzen und Angelo Kelly & Family ein.

“Chiquitita“ im sanften Flamenco-Style zeigt, wie sehr Cher ABBA eine ganz eigene Note verleiht,  mit sehr viel Gefühl beständig im Gehör des Zuhörers verweilt und sich am Schluss wie ein immer leiser werdender Furz im Wind verfliegt.

“The Name of the Game“ wurde nicht auf dance, sondern im Stile früherer Cher-Songs aus den 90ern produziert, mit einem Hauch von Country.

“One of us“ bittersüsse Ballade, bei der Chers Stimme sich interessant überschlägt. Traditionell sehr gut produziert von ihrem langjährigen Producer Mark Taylor, mit sanften Geigen im Hintergrund arrangiert.

“Fernando“ – das wurde bereits im Musical-Film “Mama Mia 2“ mehr als toll gesanglich dargeboten. Hier merkt man, dass Cher das Zeug hat, vielleicht sogar besser als ABBA klingen zu können, aber sie sich aus Respekt zurückhält.

“Dancing Queen“ – ein Cover-Album, das nicht unbedingt nötig gewesen wäre, aber trotzdem ganz nett anzuhören ist. Jedenfalls mehr inspiriert, als ihre eigenen Songs neu einzuspielen, von denen sie ja etliche hat, wie “I’ve got you babe“, “The shoop shoop Song“, “Believe“, “All or nothing‘, “If I could turn back time“….

Über das Aussehen von Cher sage ich hierzu nichts, außer: Wer den Film gesehen hat, sah selbst, dass sich beim Singen nur noch ihr Mund und sonst fast nichts mehr im Gesicht bewegte. Einerseits traurig, aber auch – wie man im Kino lauthals im Filmkritiker-Publikum bei der Presse-Vorführung hörte – lustig.

Interview mit Regisseur François Ozon zum Deutsch-Französischem Liebesdrama „Frantz“: „Mein nächster Film wird sehr sexy!“

Sehen Sie sich oft deutsche Filme an? Beim Cast ihres neuen Filmes „Frantz“ hat man diesen Eindruck.

François Ozon: „Also ich kenne deutsche Klassiker, und die Filme von Fassbinder. Ich habe selbst ein Stück von Fassbinder adaptiert. Ich kenne die Filme von Wim Wenders, Schlöndorff, Petzold. Aber es gibt in Frankreich sehr wenige deutsche Filme die dort laufen – außer sie handeln vom zweiten Weltkrieg. Ich kannte wirklich nicht alle Schauspieler, die Sie jetzt in meinem neuen Film sehen. Viele hatte ich erst durch das Casting kennengelernt. Wen ich vorher kannte, war Johann von Bülow, ihn hatte ich in „Das Labyrinth des Schweigens“ gesehen und Ernst Stötzner, den ich in einem Film von Hans-Christian Schmid sah. Paula Beer und Marie Gruber kannte ich nicht, das hatte sich erst durch das Casting ergeben.“

Haben Sie durch das vorwiegend schwarz-weiß-filmen in „Frantz“ neue künstlerische Aspekte für sich entdeckt? Fanden Sie es schwieriger in Schwarz-Weiß zu drehen als in Farbe?

François Ozon: „Das Schwarz-Weiß vereinfacht einfach vieles; wenn man einen historischen Film dreht, dann ist schwarz-weiß insofern einfacher, weil die Dekors, die man streckenweise hat, einfach zu modern sind. Schwarz-Weiß ist ein guter Ausgleich, das ist praktisch. Wenn ich durch den Kamerasucher schaute, hatte ich natürlich Farbe gesehen. Auf meinem Monitor hingegen war es dann Schwarz-Weiß. Das war ganz interessant, weil wenn ich selber drehte, schien mir alles zu sein, wie immer. Und wenn ich mir das anschaute, was ich gemacht hatte, auf dem Monitor in Schwarz-Weiß, dann war ich total erstaunt, weil plötzlich eine ganze cinemafotographische Erinnerung vor einem erscheint, so dass ich dachte: „Oh! Das sieht ja aus wie aus einem Film von Max Ophüls.“ Das ist eben das, womit ich nicht gerechnet hatte. Die Erinnerung des Kinos kommt wieder zurück. Das ist unbewusst. Letztlich war es auch amüsant, plötzlich sagen mir Leute: „Ah, Sie haben sich an diesem und jenem Stummfilm inspiriert.“ Aber es stimmt eigentlich gar nicht, sondern es ist einfach kollektive Erinnerung an das Schwarz-Weiß-Kino die dann eine Rolle spielt.“

Dieses Weich und Hart durch das Schwarz-Weiß in Ihrem Film „Frantz“ erinnert auch sehr an Fotos von Helmut Newton. Mir fiel das speziell in der Szene auf, wo Anna (Paula Beer) ins Wasser geht um sich umzubringen. Der harte Kontrast von den Wellen im Wasser zu ihrem weichem Gesicht.

François Ozon: „Also das Schwarz-Weiß verstärkt ja durch seine Strenge auch das Leiden. Dadurch wirkt das alles auch ein bisschen stärker. Eine Geschichte die 1919 spielt, nach Millionen von Toten, die verlangt auch ein bisschen nach Strenge, so fand ich es logisch und es dient dem Film. Das interessante an der Szene mit dem See ist, dass man diesen See in der Szene mit Anna und Adrian zusammen in Farbe sieht. Als man ihn dann zum zweiten Mal sieht, ist die Szene mit Anna alleine und das zeigt auch ein bisschen die Depression, in der sich die junge Frau in diesem Moment befindet.“

„Die Franzosen lernen Deutsch und die Deutschen lernen Französisch, um sich dann gegenseitig zu bekriegen.“ So lautet ein Dialog aus „Frantz“. Woran lag dieses Verhalten von Früher Ihrer Meinung nach?

François Ozon: „Ich habe mit vielen Historikern gesprochen und diese bestätigten mir, dass es eigentlich zwischen Deutschen und Franzosen starke Freundschaften gab vor diesem Krieg 1914 bis 1918 und dass es viele pazifistische Tendenzen gab. Das war in intellektuellen und in wissenschaftlichen Kreisen. Unter Philosophen, unter Literaten, unter Künstlern. In meinem Film sind es ja auch junge Studenten, die insofern nicht repräsentativ sind für alle Deutschen oder für alle Franzosen. Aber Fakt ist, dass es zwischen beiden Ländern sehr starke Bindungen gab. Diese Bindungen haben in erster Linie über die Kultur, über die Musik funktioniert, wie man auch in „Frantz“ sieht. Gerade in einer Zeit, wo die Nationalismen überall wieder hoch kommen, wo man sich plötzlich auch versteift, aus der eigenen Identität; wo es diese Angst vor dem Fremden gibt, Angst vor Immigranten – da war mir sehr wichtig, auf andere Aspekte hinzuweisen.“

Wie war es für Sie das erste Mal Kriegs-Szenen zu drehen? Manche der Szenen sehen sehr gefährlich aus. Hatten Sie Stunt-Männer eingesetzt?

François Ozon: „Ehrlich gesagt hatte ich viel Spaß diese Kriegs-Szenen zu drehen. Wir fanden es auch komisch, weil es war das erste Mal solche Action-Szenen überhaupt zu drehen. Danach sagte ich mir: „Vielleicht sollte ich das öfter mal machen!“ Auf der Leinwand sieht es natürlich alles sehr dramatisch aus, aber das war es eigentlich überhaupt nicht beim drehen. Sicherlich gab es auch Gefahren, aber wir waren von sehr guten Technikern umgeben. Pierre Niney und ich hatten an diesen Tagen sehr viel Spaß, wir waren so wie Kinder, die Krieg spielen.“

„Frantz“ thematisiert Lügen. Was war die bisher größte Lüge in Ihrem Leben?

François Ozon: „Oh la la!, das ist jetzt eine sehr private Frage! Die Lüge interessiert mich vor allem im Kino! Bei der Lüge ist es ja immer so, dass man sich selbst etwas offenbart, indem man lügt. Anna lügt in diesem Film die Eltern an, aber auch Adrien lügt. Ein Effekt von Lügen ist immer eine gewisse Form der Selbstverleugnung. Dinge, die man über sich selbst nicht wissen möchte. Und Anna wird dann vielleicht irgendwann klar, dass weder Frantz, noch Adrien die richtigen Männer in ihrem Leben sind.“

Würden Sie Ihren Film als Anti-Kriegs-Film bezeichnen?

François Ozon: „Nun, „Frantz“ ist sicherlich ein pazifistischer Film, der die Absolutheit eines Krieges zeigt und auch die Nutzlosigkeit, und der vor allen Dingen auch zeigt, dass das Leiden auf beiden Seiten gleich ist. Egal ob auf deutscher oder französischer Seite – man leidet. Der Film zeigt es wie in einem Spiegel. Dieser Krieg ist auch so nutzlos, weil wir als Zuschauer auch wissen, dass danach ein zweiter Krieg folgte, der unter anderem daraus resultierte, dass der Frieden 1919 in Versailles die Deutschen sehr verletzt hat und letztendlich dazu geholfen hat, dass die Nazis in Deutschland die Macht erringen konnten.“

Frantz war Pazifist. Wollte er lieber sterben als morden?

François Ozon: „Frantz ist sehr frankophil, er ist pazifistisch und er hat überhaupt keine Lust auf diesen Krieg. Als er Adrien im Schützengraben trifft – solche Szenen hat es sehr oft gegeben während des Krieges und es gibt Leute, die haben dann eben als erstes geschossen. Es hat auch kurze Szenen von Verbrüderungen gegeben für eine Nacht, als man sich beispielsweise Fotos von seinen Verlobten gezeigt hat. Frantz sagt es ja in einem Brief: Franzosen sind seine Brüder. Ob es ein bewusster Selbstmord ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hatte er keine Lust, an diesem Krieg teilzunehmen.“

Einige Filmkritiker behaupten, in „Frantz“ käme eine gewisse Homo-Erotik vor. Das ist mir persönlich überhaupt nicht aufgefallen. Was sagen Sie dazu?

François Ozon: „Sicher gibt es da direkte Anspielungen. Ich denke, die Zuschauer, die das mit ihren heutigen Augen sehen, verstehen das natürlich auch, wenn es zu einer Männerfreundschaft kommt, dass sie ihrer Interpretation freien Lauf lassen. Das ist das was ich will! Der Zuschauer soll Bilder interpretieren! Das sind keine neutralen Bilder und jeder interpretiert das, was er aus eigener Erfahrung hineinprojizieren möchte. Ich habe diese Begegnung zwischen Adrien und Frantz so inszeniert, als würden sie sich in diesen Schützengraben heftig ineinander verlieben. Es ist Hitchcock, der einmal sagte, man muss den Mord so filmen, wie eine Liebesbeziehung und eine Liebesbeziehung so filmen, wie einen Mord.“

Ihre Filme von „Sitcom“ bis „Frantz“ sind extrem unterschiedlich. Können Sie bereits über Ihr neuestes Projekt berichten?

François Ozon: „Der nächste Film-Dreh beginnt in einem Monat. Mir ist klar geworden, dass „Frantz“ ein sehr keuscher Film war. Der nächste Film wird sehr sexy!“

„Frantz“ seit 29. September bundesweit im Kino (X-Verleih)

 

Trailer „Frantz“ (François Ozon)

Renée Zellweger, „Bridget Jones‘ Baby“ Filmpremiere in Berlin, Zoo-Palast.

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RENÉE ZELLWEGER (C) Martin Döringer, Berlin.

80er Jahre: Steve Bronski publiziert Bronski Beat’s unveröffentlichtes Album „Out & about“ von 1987 digital im Web.

Die Synth-Pop-Band Bronski Beat hatte ab 1984 Riesen-Hits mit Jimmy Somerville als Sänger („Smalltown Boy“, „Why„, „I feel love“ vs. Marc Almond) und mit Gastsängern wie Jon Jon Foster („Hit that perfect beat„) oder auch mit Eartha Kitt („Cha Cha Heels„). Das 1987 fertiggestellte, vierte Bronski-Beat-Album „Out & About“ (inc. Gastsängerin Rose von der in England und Japan sehr erfolgreichen Band „Strawberry Switchblade„) wurde von der Plattenfirma nicht mehr veröffentlicht und ist nun fast dreißig Jahre später von Steve Bronski digital publiziert worden (11 Titel). Eine echte Rarität!

„Out & About“ von Bronski Beat kann man hier anhören und digital kaufen:

http://www.stevebronski.com/music

Der Titel „European Boy“ stammt ebenfalls aus dieser Schaffensphase:

„Für mich solls rote Rosen regnen“, „Sag mir wo die Blumen sind“~ die Geburtshäuser von Marlene Dietrich und Hildgard Knef in der Leberstr. 33 und 65, Berlin-Schöneberg.

Micaela Schäfer setzt im Bikini Berlin Statement gegen Kinderarbeit

Micaela Schäfer wurde heue im Bikini Berlin von ihrer Mutter und Oma mit Kunstblut beschossen und machte damit auf Kinderarbeit großer Modemarken aufmerksam.

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Micaela Schäfer, Bikini Berlin, Statement Kinderarbeit (c) Martin Döringer

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Micaela Schäfer, Bikini Berlin, Statement Kinderarbeit (c) Martin Döringer

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Micaela Schäfer mit ihrer Oma backstage, Bikini Berlin. (c) Martin Döringer

Interview mit Timo Jacobs zur Premiere „Mann im Spagat“

mann-im-spagat-poster-01Timo Jacobs („Klappe Cowboy“) war mit sage und schreibe drei Filmen beim achtungberlin Filmfestival 2016 vertreten: „Back To Nothing“, „Oregon Pine“ – sein zweiter selbst produzierter Spielfilm „Der Mann im Spagat“ eröffnete sogar das beliebte Berliner Filmfestival.

Timo, du bist mitten im Festival-Stress trotz böser Erkältung. Du bist also nicht der Typ, der Termine aus gesundheitlichen Gründen absagt?

Timo Jacobs: „Nein. Ich bin noch in einem Alter, wo man die Anzeichen des Körpers überhören kann.“

Wie kamst du auf den Titel deines neuen Cowboy-Filmes „Mann im Spagat“?

Timo Jacobs: „Cowboy war zerrissen zwischen den ganzen Problemen, die er lösen will. Dann hatte ich diese Vision, dass dieser Mann meditierend im Spagat auf dem Brandenburger Tor sitzt und versucht, seine Mitte zu finden, um die Probleme anpacken zu können. So kam der Titel zustande: „Mann im Spagat“.“

In deinem Film ist dein Vater Tänzer, ist das der Beruf deines echten Vaters?

Timo Jacobs: „Nein, mein Vater ist kein Tänzer, das ist ausnahmsweise mal Fantasie. Es war ein Wunschtraum von mir, dass Elvis einmal mein Vater ist, und das hab ich mir jetzt mit dem Film ermöglicht.“

Wieso war das ein Wunschtraum, dass Elvis dein Vater wäre?

Timo Jacobs: „Weil ich ein Rock’n Roller bin.“ (Kichert).

Wie war die Filmparty im Roadrunners?

Timo Jacobs: „Ich war sehr erschöpft von dem Endspurt, meinen Film fertigzustellen, dass ich nach drei Bieren schon so müde war, dass ich nach Hause musste. Das war mir alles zu wuselig gestern. Es kamen auch nicht so richtig Film-Gespräche auf, weil alle so auf Heißsporn, -aufgepeitscht waren.“

Dein erster selbst produzierter Film „Klappe Cowboy“ hatte beim achtungberlin Filmfestival eine lobende Erwähnung bekommen. Dein zweiter „Der Mann im Spagat“ ist nun der Eröffnungsfilm. Wie war denn deine Reaktion nach dieser Nachricht? Auch so lässig und cool?“

Timo Jacobs: „Nee, da bin ich durch meine Wohnung getanzt und habe Purzelbäume gemacht.“

Hattest du bereits damit gerechnet oder damit spekuliert, dass „Mann im Spagat“ das Kaliber zum Eröffnungsfilm hat?

Timo Jacobs: „Es wurde bereits immer mal nachgefragt, wie es denn nun aussieht mit meinem Film, bzw. wann er fertig gestellt ist. Aber dass er nun Eröffnungsfilm wurde, das war eine Überraschung!“

Was bedeutet dir das achtungberlin Filmfestival?

Timo Jacobs: „Ich finde es ein sehr erfrischendes Festival! Auch ein Spagat, was die Auswahl betrifft. Im Gegensatz zur Berlinale, wo die Filme sich eher ähneln, ist das achtungberlin schon fetzig. Die Jungs, die es organisieren, sind sehr sympathisch und umtriebig, das tut dem Festival gut.“

Für „Mann im Spagat“ gibt es bereits einige Verleiher-Anfragen, also kommt der Film regulär in die Kinos, oder?

Timo Jacobs: „Der kommt in die Kinos! Es gibt bereits einige Verleiher-Anfragen. Hinsichtlich dessen werde ich in nächster Zeit einige Gespräche führen, da der Film insgesamt so
ein gutes Stimmungsgewitter erzeugte und die Leute von einem geilen Vibe berichteten, wird sicher einiges mit dem Film passieren. Um es Mit Knut Elstermanns Worten zu sagen, ist der Film was ganz besonderes, um so ernster er wird um so komischer ist er! Ich werde mich reinhängen und schauen dass der Film einen guten Platz in den Kinos findet.“

Auf dem diesjährigen achtungberlin Filmfestival liefen ja gleich drei Filme, in denen du mitwirkst.

Timo Jacobs: „Ich hab gerade eine „Blüte-Phase“, das ist irgendwie ein Highlight, vielleicht war auch deswegen nach der Premiere bei mir ein Hauch von Melancholie. Die Stimmung war so bombastisch! Da kamen gleich Gedanken, wie ich das wohl wieder toppen könnte. Man möchte sich ja weiterentwickeln und der Welt weiterhin einen Beitrag geben können, ein Beitrag der etwas bewegt.“

Was wäre denn das maximale an Filmen, die du selbst auf einem Festival „stemmen“ könntest?

Timo Jacobs: „Ich glaube, da sind keine Grenzen gesetzt, solange ich meinen Beitrag als wahrhaftig verstehe, aber darum geht es natürlich nicht, ist doch klar, es geht nur darum: weiterzumachen.“ (Augenzwinkern)

In „Back To Nothing“ geht es um Kannibalismus und du spielst jemand, der seine Ehefrau (Meret Becker) ausweidet und mit Menschenfleisch handelt, was du sehr überzeugend machst. Wie bereitest du dich auf solch extrem schwierige Rollen vor?

Timo Jacobs: „Ich recherchiere sehr viel, mache sehr viel Hausaufgaben. Dann steigere ich mich so sehr hinein, bis es für mich echt ist.“

„Mann im Spagat“ ist deiner Mutter gewidmet, die während der Dreharbeiten verstarb. Deine kranke Mutter sollte auch erst im Film mitspielen. Hattest du das mit ihr bereits besprochen?

Timo Jacobs: „Leider hatte meine Mutter aufgrund ihrer Nervenerkrankung kein Erinnerungsvermögen. Ich habe das mit ihr besprochen, und in dem Moment war sie immer sehr geschmeichelt und sagte, sie mache das gerne. Aber wenn ich es am nächsten Tag wieder angesprochen habe, dann wusste sie nicht mehr genau, wovon ich rede. Ihre Krankheit schritt dann soweit voran, dass es für sie eine Zumutung gewesen wäre und das hätte ich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren können; dann fing ich an, mich nach einer Schauspielerin umzuschauen.“

Du bist vom Norden in den Osten Deutschlands gezogen. Wie findest du den Unterschied zwischen Hamburg und Berlin?

Timo Jacobs: „Hamburg ist bequemer, zarter und gemütlicher. Berlin pulsiert mehr, hier ist mehr Fluktuation, Bewegung, Freigeist. Das ist in meiner Lebenssituation jetzt viel erfrischender, es gibt immer noch neue Sachen, die ich neu entdecken kann – selbst nach 10 Jahren. In Hamburg habe ich irgendwie alles abgeglotzt und in Berlin hab ich nach zehn Jahren immer noch das Gefühl, dass hier ein frischer Wind weht und nichts so richtig fad wird. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt, hat ein klares Gesicht, Berlin hat mehrere Gesichter. Es gibt nicht das klare „dit is Berlin“, es ist eher immer eine Beschreibung mehrerer Zustände, die aufeinander treffen. In Hamburg hast du da schon ein klareres Bild vor Augen.“

Regisseur Klaus Lemke entdeckte dich auf ner Party wo du als DJ gebucht warst. Legst du noch Platten auf?

Timo Jacobs: „Ich hab eine sehr ausführliche Plattensammlung und lege zu Hause gerne auf, wenn ich Gäste habe. Oder ab und zu wenn eine Anfrage kommt, auf Film-Partys. Im großen Stil mach ich das gar nicht mehr so, weil da musst du ja auch am Ball bleiben.“

Was sind deine aktuellen Anspiel-Tipps in Sachen Musik?

Timo Jacobs: „Kamasi Washington hab ich neu für mich entdeckt, das Album „Epic“ hält ein was der Titel verspricht. Hmm, ich gehe eher auf kleine Konzerte, habe eine absoluten Faible für guten Garage Sound und obwohl ich kein Fan von so Riesen Konzerten bin, gehe ich mir wohl mal die Antword diesen Sommer anschauen die spielen in Berlin, zwar nicht Garage aber hitzig, mit ner guten Power.
Hingegen, Roky Erickson Ende April, möchte ich auf keinen Fall verpassen, habe ihn schon einige Male auf dem SXSW in Austin Texas gesehen und sogar einmal in NYC eine Filmpremiere für ein Konzert von ihm sausen lassen, jetzt spielt er meines Wissens nach zum ersten Mal in Deutschland, und ja das ist spannend, denn er ist nicht von diesem Planeten, er ist der Inventor of Psychedelic Rock!“

Die Filmmusik zu „Der Mann im Spagat“ wurde unter anderem von Steve Morell komponiert. Wird es einen offiziellen Soundtrack geben?

Timo Jacobs: „Das würde ich mir wünschen, es ist eine so brisante Mischung, eine Explosion von Grooves, dafür poliert jeder Kenner gerne seine Lackschuhe zum Tanz.“

Die „Mann im Spagat“-Filmkostüme sind sehr abgedreht und spacig. Der ganze Film ist wie eine Konfetti-Explosion. Hattest du nicht gedacht, dass du mit deinem neuen Film das Publikum überforderst?

Timo Jacobs: „Ich glaube, dass man Menschen mit Fantasie nicht überfordern kann. Die Aufgabe ist vielleicht auch, Empathie zu empfinden für Fantasie des Zuschauers im Generellen. Ein kollektiver Atem, den wir alle einatmen, der Sinnbildern entspricht, für Dinge, die wir alle für Dinge halten, die wir erlebt haben. Das habe ich versucht, umzusetzen und an Fantasie bist du da grenzenlos, sofern du den Zuschauer von Anfang an in diese Fantasie-Welt hinein geholt hast. Alles was in dem Film zu sehen ist, ist ja auch möglich, es ist nichts komplett an den Haaren herbeigezogen, das denke ich ist wichtig, dass nichts – so überhöht es auch sein mag – „Tüddelkram“ ist, wie der Hamburger es sagen würde.“

140 Leute haben an deinem Film „Der Mann im Spagat“ mitgearbeitet. Nicht jeder schafft es, so ein großes Team zu organisieren.

Timo Jacobs: „Tja, da muss man auch mal Ansagen machen und Dinge beisammen halten, auch wenn es einem selbst nicht so genau klar ist ob das alles so rund läuft, man darf da den Glauben nicht verlieren, dran bleiben ist die Devise, sonst geht das ganze den Bach runter. Es ist eine pädagogische Arbeit, wo man trotz Ansagen, viel Liebe und innere Ruhe braucht. Viele Dinge lassen sich oft nicht so umsetzen, wie man sich das vorstellt. Da muss man dann in der Lage sein, einen Spagat zu machen und überlegen: „Was kann ich nun machen um aus der Not eine Tugend zu machen?“ Diese Denke habe ich auch durch Klaus Lemke kennengelernt. Nicht an den Dingen zu verzweifeln die fehlen, sondern das was da ist als Stilmittel einsetzen, bereit zu sein für einen Plan B, weitermachen und umsetzen. Viele in meinem Team haben teilweise gedacht, ich bin bekloppt, wenn sie etwas ganz anders gehört oder gelesen haben. Beim Endergebnis des Filmes nach drei Jahren haben sie dann alles verstanden.“

Wird es mit Cowboy weitergehen?

Timo Jacobs: „Das kann ich mir schon gut vorstellen, wenn ich die Figur nun einschläfern würde, wäre das schon fies, einfach weil sie immer gern mal anklopft, weil sie heiß ist, heiß auf Action.“

Ist Cowboy also ein Lebens-Projekt?

Timo Jacobs: „Es ist ja so, dass Dinge sich ändern, und da bleibt Cowboy sicher nicht stehen, Cowboy hat noch viel vor und da ist meine Fantasie auch voll mit Interesse dabei, soweit ich das jetzt sehe, aber das entscheide ich nun auch nicht komplett alleine, sondern es wird auch bestimmt, durch die Begierde, durch das Verlangen der Zuschauer.“

Teaser „Mann im Spagat“:

 

Prince ( †57) tot – Sänger verstarb mit nur 57 Jahren.

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Prince verstarb heute, am 21.04.2016 – dem 90. Geburtstag von Queen Elizabeth, in seinem Tonstudio Paisley Park in Minnesota; das bestätigte ein Sprecher des Sängers der Nachrichtenagentur AP. Bereits am 16. April wurde die Musik-Legende („Purple Rain“, „Kiss“, „Batdance“, „Nothing compares to you“….) wegen einer Grippe ins Krankenhaus eingeliefert. An was Prince starb, ist derzeit noch unklar.

Prince, „Cream“

TV-Tipp 13.02.2016 PHOENIX „Das Drama um Dresden“ Dokumentation, 20:15 Uhr

Der mit dem International Emmy ausgezeichnete Film berichtet über den den Untergang Dresdens im Feuersturm vom 13. auf den 14. Februar 1945, als die Stadt innerhalb 24 Stunden durch Luftangriffe der RAF und USAAF komplett zerstört wurde. Nach neuesten historischen Untersuchungen starben dabei 25 000 Menschen in den Flammen. Bis heute diskutieren Historiker darüber, ob diese Flächenbombardements rechtlich als Kriegsverbrechen zu werten sind.

Die TV-Doku berichtet von Überlebenden des Feuersturms, aber auch britische Bomberpiloten kommen zu Wort, welche die Luftangriffe aus ihrer Sicht schildern.

Anm.: PHOENIX zeigt nur eine 45-minütige Zusammenfassung des preisgekrönten Dokudramas von Sebastian Dehnhardt.