Interview mit Ralf Goldkind zum Solo-Debüt-Album „Allein im Ring“

Bevor Ralf Goldkind mit Annette Humpe (Ex-Ideal, Rio Reiser) und Luci van Org (Meystersinger) als Lucilectric Musikgeschichte schrieb (Gold für „Mädchen“ und „Hey Süßer“), sang und spielte er bereits Posaune in der 80s-Band Flucht nach vorn und war Mitglied von Hugo Race & the true Spirit (australische Band). Nach Lucilectric produzierte Ralf Goldkind unter anderem mit Gold und Platin ausgezeichnete Alben der Fantastischen Vier, Thomas Ds Solo-Alben, Nina Hagen, Jan Plewka von Selig und Tempeau, Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen), Peter Bolmer (EL*KE) und diverse Filmkompositionen (darunter „B.i.N. – Berlin im November“). Unter dem Pseudonym „Adam-Eve“ produzierte er Trost (Cobra Killer) und das Album „Trust me“, trat damit in Roskilde auf; derzeit arbeitet er am deutschen Popmusik-Album des 22jährigen Newcomers Jeff Braun aus Ghana.

Alphaville-Sänger Marian Gold dezent aber markant als Gast auf Ralf Goldkinds Solo-Debüt-CD

Ralf Goldkinds erstes Soloalbum „Allein im Ring“ ist eine poetische Mischung aus Elektronik, Punk und Cinematic und der Berliner produzierte damit eine Platte, zu der er in den 80s keine Möglichkeit hatte. Ralf Goldkinds düsterer und melancholischer Gesang ist wie eine Mischung aus Joachim Witt und Smudo (Fanta4), teils mit Klängen unterzeichnet, wie man sie von Sisters of Mercy, Nick Cave and the bad Seeds, von Lene Lovich und aus Fantasy-Kinofilmen kennt. Ein Blues, der mit kathartischer Wirkung seine Schatten wirft. Original Achtziger-Jahre-Flair durchweht „Allein im Ring“ mit der Background-Stimme von Marian Gold von Alphaville, der auf „Niemals Wiedersehen“ dezent aber markant im Hintergrund zu hören ist.

Suite101-Autor Martin Döringer traf Ralf Goldkind zum Interview im Cafe Potiemkin in Berlin.

Interview mit Ralf Goldkind zum Solo-CD-Debüt „Allein im Ring“

Martin Döringer: Seit wann plantest du ein Soloprojekt?

Ralf Goldkind: „Die Platte entstand von 2008 bis 2009. Dann kam mir wieder viel Arbeit dazwischen. Einmal muss man auch ’ne eigene Platte gemacht haben, finde ich. Elvis Costello hatte auch viele große Platten produziert, und machte dann immer wieder ’ne eigene Platte. Das fand ich auch erstrebenswert. „Allein im Ring“ enthält Ideen, die ich nirgendwo anders unterbringen konnte, und nirgendwo anders passten, wegen anderen Energien.“

Martin Döringer: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Marian Gold (Alphaville)?

Ralf Goldkind: „Das kam durch FJ Krüger (Ideal, Alphaville), als wir Filmmusik produzierten. 2007 starb FJ Krüger. Dann schrieb ich für ihn „Niemals Wiedersehen“ und fragte Marian, ob er mitsingen möchte, weil FJ unser Freund war. Wir waren im Studio und nahmen „Those were the day’s my friend“ (von Paul McCartney geschrieben) auf und als Marian im Studio war und zwei Takes einsang, sagte ich: „Wow, das ist super große Klasse, das ist großes Kino! Das nehm ich!“ Marian wunderte sich: „bei Alphaville muss ich immer acht Stunden singen, die quälen mich immer. Warum quälst du mich nicht?“ Da meinte ich: „a: weil ich gut drauf bin und b: weil es super Klasse war, das wird jetzt nicht besser.“ Marian Gold war eins meiner schönsten Zusammentreffen. Wir hatten gar nicht so viel Kontakt zueinander, aber wahnsinnig viel Respekt voreinander.“

Martin Döringer: Worum geht es in den Lieder „Mein Leben am Strand“ und „Propaganda“?

Ralf Goldkind: „Ich in am Leben am Strand eher allein. Ich beschreibe den Zustand eines Beobachters, der in seinem schwarzen Hemd und in schwarzer Badehose durchs Meerwasser los stakt und loslässt. Als wir 2007 mit Trost in Roskilde spielten… – auf dem Rückweg in Warnemünde/Rostock stand ich bei gutem Wetter draußen, weil ich keine Lust hatte im Restaurant Zigarettenrauch einzuatmen oder Wein zu trinken. So dachte ich über mein Leben und über Freunde nach, über das was sie von sich geben: dass immer alles toll, super und großartig ist. Bei „Propaganda“ beschreibe ich, dass das nichts als hohle Worte sind, damit man sich keine Blöße gibt, wenn es einem auch mal schlecht geht, oder man eine Niederlage zugeben muss. Es geht um die Perfektion, die von einem für das Bild nach außen erwartet wird, oder die man von sich selbst erwartet. In „Propaganda“ geht es um das Oberflächen-Theater, das einem viele Leute vorspielen.“

Martin Döringer: Die Toleranz, dass es einem auch schlecht gehen darf?

Ralf Goldkind: „Ja genau, die ganze Platte ist eigentlich so – ziemlich ehrlich. Ich habe mir im Vorfeld Herbert Grönemeyers „Mensch“ angehört. Nicht, weil ich so sein möchte wie Herbert Grönemeyer, sondern ich wollte davon die Ehrlichkeit, denn er hat die künstlerische und emotionale Realität ehrlich runter gestrippt. Ich hab mir das ein paar Mal im Auto angehört und kehrte dann wieder zu meinen Roots, Melodien und Punk-Rock zurück. Es hat mir gut getan, komplett ehrlich mit mir umzugehen.“

Martin Döringer: „Die Nacht, die S-Bahn und ich“ – Fährst du noch S-Bahn? Der Anfang deiner Karriere begann ja mit Lucilectric in der S-Bahn, wie man in nahezu jeder TV-Talk-Show (Biolek, Stefan Raab, etc.) erfuhr…

Ralf Goldkind: „Ich liebe S-Bahn fahren, besonders Ring-Bahn, aber es war eine erfundene Geschichte, die wir damals dummerweise irgendwo erzählten, weil wir nicht wussten, wie wir es richtig erzählen sollten. Die Geschichte ist dann natürlich in den Medien hängen geblieben, weil sie jeder toll fand. Es war eine hervorragende Lüge à la Käptn Blaubär! Luci und ich wurden in Wirklichkeit von Annette Humpe zusammengeführt.“

Martin Döringer: Wieso treten Lucilectric eigentlich nie in den Retro-Chart-Shows auf?

Ralf Goldkind: „Da hat Luci absolut keinen Bock drauf, sie will nur ihre neuen Projekte machen.“

Martin Döringer: MOM-sonic – ist das dein selbst gegründetes Label?

Ralf Goldkind: „MOM-sonic ist meine Plattenfirma. 2007 war ein komisches Jahr für mich, wo verschiedenste Sachen in der Musikindustrie zusammenbrachen, beispielsweise wurde die personelle Struktur von Four Music (Sony) ausgewechselt. Fitz Braum, der Four Music leitete und die großen Acts wie Die Ärzte, Die Fantastischen Vier signte, Max Herre und Gentleman entdeckte, legte sich mit ein paar Oberen von der Sony an und wurde gefeuert. Somit Frau Trost, icke und verschiedene andere Acts von Four Music auch. Fitz hatte dann die Idee, dass ich mit ihm zusammen ein eigenes Label machen sollte. Aber der gute Mann wollte lieber viel Party machen, anstatt eine neue Firma zu gründen (was ja auch völlig in Ordnung ist, wenn man 30 Jahre im Musikbusiness gearbeitet hat). Dann hab ich meine Firma gegründet, um mein Solo-Album „Allein im Ring“ herauszubringen.“

Ralf Goldkind „Allein im Ring“ erschien am 21. September 2012 bei MOM-sonic

Veröffentlicht am 2014-09-21, in Interview. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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