„Joschka und Herr Fischer“ ein Film von Pepe Danquart

Was eine „spielwütige“ Schauspielerin wie Katharina Thalbach in einer Politiker-Dokumentation verloren oder zu suchen hat, bleibt nach wie vor fraglich. Aber bitte, die Frau zuerst: Katharina Thalbach. Sie war sich nicht zu schade für eine lächerliche Statisten-Rolle in Til Schweigers „Kokowääh“-‚Film‚, machte sich unfreiwillig zum Gespött als Französin mit Ossi-Dialekt in „Hanni & Nanni“ und setzt in „Joschka und Herr Fischer“ noch eins drauf, indem sie dummes Zeug erzählt.

Katharina Thalbach bräuchte dringend eine lange Aus-Zeit

Sie mag ja „im besseren Deutschland gelebt“ haben, die Nazis warenihrer Ansicht nach nur in West-Deutschlands Politik überall präsent“„alles gehört allen“-Schwärmereien. Genau genommen lebte Thalbach zu DDR-Zeiten in beiden Teilen Deutschlands. Manchmal glaubt man, sie schaue öfters zu tief ins Glas, wenn sie sich fächernd, auseinander gegangen aus dem Bild bewegt, um sich im berüchtigten Plänterwald abfilmen zu lassen und hilflos grinst, wie jemand, der am Burnout-Syndrom leidet. Bemitleidend sieht man sich die Schauspielerin als unpassende Zeitzeugin und Störfaktor an – schön ist es nicht und vor allem fragt man sich wieder, was Thalbach mit einem Dokumentarfilm über Joschka Fischer zu tun hat. Gab es da etwa ein Verhältnis zwischen den beiden? Oder weil Schauspiel von Politik leider nicht allzu weit entfernt liegt?

Joschka Fischers frühe Jahre – alles andere als rosig

„Wir waren arm und es war herrlich“ – Joschka Fischers Leben wird auf TV-Tafeln in Rückblenden gezeigt. Ungarisch-Deutsch – zwei verschiedene Dialekte – zwei verschiedene Küchen. Die Kindheit voll von Vertreibung, im Junge-Union-Millieu groß geworden. In der fünften Klasse sitzen geblieben, ein „fauler Hund“ – unmotiviert. Nach einem Jahr Fotografen-Lehre beendete er diese mit zwei Sätzen und zugeschlagener Tür. Vietnam war für ihn ein riesiger Schock, da er die Amis immer als die „Good Guys“ sah. Studium – ohne eingetragen zu sein. Joschka Fischer, Überwinder der eigenen Angst, kündigte seinen Job aufgrund einer Bild-Schlagzeile: „Genießt den Sommer, er ist so schön“, denn Gewalt produziert eine Fratze. Rückzug als Taxifahrer. Die Buntheit des menschlichen Lebens machte ihn zum Realisten. Ein Herr zu Guttenberg würde bei diesem Lebenslauf die Schamesröte nie wieder aus dem Gesicht bekommen.

„Der Mensch ist gut, Verhältnisse sind schlecht. Also verbessert die Verhältnisse.“

Politisches Himmelfahrtskommando; Joschka Fischers Englisch reichte nicht für Interviews aus, er hatte das Gefühl eines gefangenen, wilden Tieres: „Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Alles!“ Der Sponti und 68-Aktivist wurde hessischer Umweltminister in Turnschuhen und deutscher Außenminister im Anzug. Regisseur Pepe Danquart (erhielt 1994 den OSCAR für seinen Kurzfilm „Schwarzfahrer“) wollte mit „Joschka und Herr Fischer“ zu seiner Seele, dem unterhaltsamen, politischen Film zurückkehren. Interessant für politisch Interessierte, dennoch ist diese Dokumentation nicht mehr als ein provokanter Politiker inmitten von videoinstallationsartigen Arrangements, durch Projektionen auf Glasscheiben projiziertes „bereits oft gesehenem Zeugs“.

„Joschka und Herr Fischer“ startet bundesweit am 19. Mai 2011 im Verleih der X-Filme Creative Pool

Veröffentlicht am 2014-09-21, in Kino. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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