„Metropolis“ – Restaurierter Stummfilm-Klassiker neu im Kino

Es gibt Filme, die muss man gesehen haben. Fritz Langs „Metropolis“ ist einer davon! Hirn und Hände gehören zusammen und dazwischen muss das Herz liegen – um das zu erkennen, bedarf es in der Stadt Metropolis Sklavendienste in der Unterstadt, während die Oberstadt sich amüsiert, einen von Erfinder Rotwang konstruierten Roboter und das Verhindern der Stadt-Überflutung. Was am Ende siegt, ist die Macht der Liebe!

Oberstadt und Unterstadt unterscheiden sich wie Tag und Nacht

Johann „Joh“ Fredersen (Alfred Abel) regiert im „Neuen Turm Babel“ die Ober- und Unterstadt. Seiner Meinung nach ist er als Herrscher das Hirn und andere Menschen sind lediglich Werkzeug, ausführende Hände. Die Oberstadt ist in Besitz der Mächtigen und Reichen, die sich in einem gigantischen Sportstadion vergnügen und in den „Ewigen Gärten“ umschwärmt werden. Joh Fredersens Sohn Freder (Gustav Fröhlich) verliebt sich in die sanftmütige Schönheit Maria (Brigitte Helm), die in der Arbeiterstadt lebt. Er begleitet sie in ihre unterirdische Welt und berichtet seinem Vater geschockt von dem unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Unterwelt. Von da an lässt Fredersen seinen Sohn beschatten. Es bahnt sich eine Revolte der Arbeiter an.

Die schöne Maria soll durch eine Roboter-Frau ersetzt werden

Fredersen lässt einen Roboter anfertigen; die schöne Maschinenfrau soll anstelle der sanftmütigen Arbeiterführerin Maria antreten. Doch der Erfinder Rotwang (Rudolf Klein-Rogge) sinnt insgeheim auf Rache, er will die falsche Maria einsetzen, um die Stadt und Fredersens Sohn zu vernichten, deshalb entführt er Maria, um ihre Gestalt auf den Maschinenmenschen zu übertragen. Der Unterstadt droht Überflutung, denn die Herzmaschine wird zerstört. Freder und Maria können das Schlimmste noch verhindern, doch es geht nicht für alle Beteiligten gut aus.

Fritz Langs „Metropolis“ – bis heute eine kreative Inspirations-Quelle

Fritz Lang wagte nach „Die Nibelungen“ (1924) ein extravagantes Experiment. Der aufwändige Film kostete sechs Millionen Reichsmark und brachte die Produktionsfirma UFA somit an den Rand des Ruins, denn er hatte beim ersten Kinoeinsatz keinen Erfolg. Nur 15.000 sahen den Film in den ersten vier Monaten. Das hatte zur Folge, dass die Produktionsfirma „Metropolis“ kürzte und umschnitt. Anfangs von den Kritikern missachtet, fasziniert Fritz Langs Meisterwerk nunmehr seit acht Jahrzehnten Kritiker, Wissenschaftler und Fans. Madonnas teuerste Musikvideoproduktion zu „Express yourself“ basiert auf Fritz Langs futuristischen Stadtkulissen aus „Metropolis“, ebenso wie Videos von Lady Gaga, und Shakespears Sister tritt aktuell als die herzlose Robotor-Frau von „Metropolis“ in ihren Bühnen-Shows auf. Hit-Produzent Giorgio Moroder brachte 1984 eine eingefärbte 80-Minuten-Version von „Metropolis“ ins Kino, die mit modernen Popsongs (Bonnie Tyler, „Here she comes“, Freddy Mercury, „Love kills“, Pat Benatar „Here’s my heart“) unterlegt wurde. Das neue Publikum brachte schließlich eine Restaurierung des Originals in Gang. Aber auch für Kino-Filme ist „Metropolis“ eine Inspirations-Quelle, wie für die Bebilderung George Lucas’ „Krieg derSterne“, Ridley Scotts Tyrell Corporation Center in „Der Blade Runner“, Indiana Jones’ Abenteuer, Tim Burtons Gotham City in „Batman“ oder die künstliche Stadt in Alex Proyas’ „Dark City“.

Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung realisierte Restaurierung

Der Fund von Buenos Aires ermöglichte der Murnau-Stiftung die fast komplette Fassung wieder auf die Leinwand zu bringen, denn in Argentinien wurde auch die ungekürzte Ursprungsversion von „Metropolis“ aufgeführt, eine Sicherheitskopie auf 16-mm-Negativ von der stark beanspruchten Nitro-Kopie schlummerte noch dort im Museo del Cine Pablo C. Ducros Hicken – und keiner erkannte den Wert, bis Paula Félix-Didier die Leitung übernahm und sich mit Deutschland in Verbindung setzte. Der 84 Jahre alte Film ist der bisher einzig deutsche Film, der ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen wurde, auf eine Stufe mit der Gutenberg-Bibel und mit Goethes Nachlass gestellt. Die wiederentdeckten Teile, etwa 25 Minuten lang, unterscheiden sich trotz modernster Restaurierungs-Technik enorm zu der restaurierten Version von 2001. Das hat allerdings auch den Vorteil, das man die bisher noch nie gesehenen Szenen erkennt. Viele Szenen mit Maria und den Kindern fielen der Schere zum Opfer. Außerdem erfährt man mehr über die Beziehung von Joh Fredersen zu Rotwang und Szenen mit „dem Schmalen“ (Fritz Rasp) der bisher nur seltsam am Rande stand. Es ist ein absolutes Erlebnis „Metropolis“ auf der großen Leinwand zu sehen und spannend mit den nie zuvor gesehenen Szenen. Ein ganz großes Film-Highlight! Kino-Geschichte made in Germany!

„Metropolis“ (Urfassung von 1927) startet am 12. Mai 2011 bundesweit im Verleih der Warner Bros

Veröffentlicht am 2014-09-21, in Kino. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: