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70. Geburtstag von Wolf Gremm „Kamikaze 1989“ (Fassbinder) Filmkunst66 Berlin

Wolf Gremm, der seit seinem Kinodebüt „Ich dachte, ich wäre tot“ (1973) zu einem der wichtigsten Kino-Regisseure der Siebziger Jahre zählte und den Deutschen Kritikerpreis gewann, wechselte nach „Kamikaze 1989“ (1982, mit Rainer Werner Fassbinder in der Hauptrolle) über zum TV-Regisseur. „Kamikaze 1989“ wurde 1981 außergewöhnlich schrill und stark akzentuiert nach dem Kriminalroman von Per Wahlöö verfilmt, 1982 fertiggestellt und hatte im selben Jahr nach Fassbinders plötzlichen Tod Weltpremiere.

Ausstattung und Outfits in „Kamikaze 1989“ waren der Zeit voraus

Regisseur Wolf Gremm war mit der Ausstattung des ingeniösen Sciencefiction-Filmes „Kamikaze 1989“ seiner Zeit voraus und prägend, denn ab 1982, als in der Popmusik die „Neue Deutsche Welle“ entsprang, waren schrille Faschings-Outfits, wie sie in seinem Film zu sehen sind, jählings durch Popmusiker angesagt (Hubert Kah, Fräulein Menke) und ab 1984 mit New Wave (Duran Duran, Divine) nicht mehr wegzudenken. Die Filmmusik in „Kamikaze 1989“ enthält Sound von Tangerine Dream.

In „Kamikaze 1989“ spielt Rainer Werner Fassbinder einen scharfen Polizeileutnant

Deutschlands nahe Zukunft macht den Anschein, alle Probleme seien wie von Zauberhand gelöst. Reichtum, reine Umwelt, jeder hat Arbeit und etwas zu tun, sogar der Wetterbericht ist stets positiv. Statt Selbstmorden gibt es „unerwartete Tode“ und die Polizei sorgt symbolisch mit Faust und aufgereckten Daumen für Ordnung. Alle Medien werden geführt von einem Familienkonzern.

Jansen (Rainer Werner Fassbinder) ist Polizeileutnant und hat 4 Tage Zeit, um eine Bombendrohung an den Medienkonzern aufzuklären – man will sich an einem Mord rächen. Bizarr, statt Uniform ein eminenter Leopardenanzug und Alkoholiker „dritten Grades“, so löste er bisher jeden Fall! Es ist fabelhaft, Rainer Werner Fassbinder als Schauspieler in einer Hauptrolle zu erleben, die er wie ein Topstar spielt, der sich hemmungslos locker vor der Kamera bewegt. Mit von der Partie: Brigitte Mira als Personaldirektorin, Richy Müller als Präsidenten-Neffe, Nicole Heesters (Tochter von Johannes Heesters) als Wetterfrau Barbara. Zu Ehren Wolf Gremms wurde das Kultkino fk66 mit Fassbinder-Requisiten aus „Kamikaze 1989“ und Filmplakaten von Gremm-Produktionen geschmückt.

Wolf Gremm war an seinem 70. Geburtstag live zu Gast im schnuckeligen Kino fk66

Als der Film in New York lief, machte John Cassavetes (Begründer der Independent-Film-Szene in den USA), der diesen Film unheimlich mochte, die Radio-Spots für „Kamikaze 1989“. Wolf Gremm, der momentan seine Krebs-Erkrankung auskuriert, über die Begegnung mit John Cassavetes: „Wir wollten eigentlich den zweiten Teil von „Kamikaze 1989“ drehen, doch das war nicht mehr möglich, da Rainer Werner Fassbinder bereits leider verstorben war. Er sollte mit dem Schwarzen, der bayerisch spricht, in New York sein Unwesen treiben. Unser Vorbild war ein amerikanischer Spielfilm, John Wayne stellt darin in London einen Kommissar dar. Unser Film sollte „Paul Pott“ heißen. Auf den Kamikaze-Titel vom ersten Teil kamen wir in der Küche bei einem Gespräch mit Rainers damaligen Lebensgefährtin Juliane Lorenz (Geschäftsführerin der „Rainer Werner Fassbinder Foundation“). Wir wollten das Leben als moralische Haltung nach folgenden Prinzipien: Das Leben spielt keine Rolle. Das A und O ist, meine Aufgabe zu erfüllen, so wie ein Filmregisseur sagt, „ich zieh den Film durch, auf Teufel komm raus.“ Oder wie Godard sagte: „Film ist die Wahrheit, 24 Mal in der Sekunde.““

Lauras „Kamikaze 1989“ mit Mary in der Hauptrolle strotzt vor Fantasie und Innovationskraft

Als Fassbinder für die Schlussaufnahme fragte, was er suchen müsse, da sagte ich, „Das weiß ich auch nicht. Es geht um die Suche als Lebensprinzip. Du kannst jetzt deinen Kommentar zu dem Film geben, indem ich das Bild vom Astronauten Neil Armstrong hinter dir stehen lasse. Er vögelt Armstrong und lacht dann. Das war sozusagen seine Antwort.“ Bei unserer Zusammenarbeit haben alle erwartet, dass wir uns prügeln, doch wir waren wie ein Herz und eine Seele, wie man es in jeder guten Beziehung ist. Wir haben uns immer Frauennamen gegeben – er hieß Mary und ich hieß Laura. Wir waren uns einig, dass die Erhaltung der Fantasie, des Individuums, das wichtigste ist, was es überhaupt gibt. Unser Film strotzt ja vor Fantasie.“

Suite101-Redakteur Martin Döringer stellte Wolf Gremm beim Publikumsgespräch Fragen:

Martin Döringer Suite101.de: „Herr Gremm, Rainer Werner Fassbinder war ja selbst berühmter Regisseur. Hat er sich als Schauspieler von Ihnen leiten lassen, oder gab es Situationen, wo der Regisseur in ihm bei „Kamikaze 1989“ durchkam?“

Wolf Gremm: „Nee, wir haben nie diskutiert. Es gab nie ein „Nein, das mach‘ ich nicht“, wir waren einfach locker. Es gibt eine Doku, da sieht man das gut. Unser Film ist eine Art Sumpfblüte, solche Filme gabs nicht. Für Kameraleute und Ausstatter ist er auf jeden Fall sehr interessant. Mein Ausstatter fiel aus, er hatte mit seinem Freund Probleme, denn der hatte AIDS – das war damals auch was Frisches, was Neues. So hab ich die Ausstattung selbst übernommen, denn ich kannte das Drehbuch genau, das ich zusammen mit einem jüdischen Intellektuellen aus New York schrieb, der früher die Kreuzworträtsel der New York Times machte.“

Martin Döringer Suite101.de: „War „Kamikaze 1989“ nach Fassbinders Tod ein plakativer Erfolg a la „FASSBINDERS LETZTER FILM“, oder ging er wegen Romy Schneiders Tod 1982 beim Publikum eher unter?

Wolf Gremm: „Nee, nach dem Tod hatte der Film einen ganz anderen Öffentlichkeitswert oder Drive bekommen, weil alle waren total entsetzt. Als Rainer bereits seine großen Filme hatte, fragte ich ihn bei einem privaten Gespräch, wieviele Zuschauer er hat. Da sagte er: „Für meine kleinen Filme, die ich mit maximal 300 000 DM selbst finanziere, habe ich 250 000 feste Zuschauer, Fans, die auch in meine schwierigen Filme gehen.“ „Ich bin mit dem Film „Kamikaze 1989“ auf Tournee gegangen und ein Jahr unbewusst in Schwarz herumgelaufen, mit einem schwarzen Borsalino. In Chicago waren 3000 Leute, die beim Festival ins Kino gingen, um Fassbinder zu sehen. Im MoMa auch!““

„Kamikaze 1989“ lief zu Wolf Gremms 70. Geburtstag am 26. Februar 2012 um 17 Uhr im Kino fk66 in Berlin

TV-Tipp, RBB, 15.07.2015, 22:15: Zum Tode von Regisseur Wolf Gremm (†73), Doku „Ich liebe das Leben trotzdem“

Heute morgen, am 14.07.2015 verstarb Regisseur Wolf Gremm („Kamikaze 89“, …) nach langem Krebsleiden. RBB ändert am Mittwoch, 15.07.15 sein Programm und zeigt als TV-Premiere Gremms letzten Film „Ich liebe das Leben trotzdem“, einen Dokumentarfilm über seine Krebs-Erkrankung, den er als „Selfie-Film“ mit einer kleinen Kamera und teilweise mit dem Smartphone drehte.

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Wolf Gremm, Regina Ziegler, 2013 Mercedes Benz Arena (C) Martin Döringer

Rolf Eden in „The Big Eden“ – Interessanter Playboy-Dokufilm

„Nach dem Tod gibt es nichts mehr, und deshalb will ich bis dahin jede Sekunde schön leben.“ Rolf Eden sagt, es war immer ein Glücksfall, dass er immer nur Glück hatte. Rolf Eden ist Playboy, Exhibitionist und Geschäftsmann. Wenn er einen Tag nicht in Zeitungen steht (die er sich alle täglich kauft), ist er schrecklich traurig. Peinlichster Berliner (Stadtmagazin Tip) von nahezu 4 Millionen Einwohnern zu sein, darauf ist er stolz, weil: wer ist das schon?

Rolf Eden wechselte vom Nachtclub- über zum Immobilien-Besitzer

Der ehemalige Nachtclub-Besitzer ist inzwischen 82 Jahre jung und besitzt 14 Mietshäuser mit ca. 800 Wohnungen in Berlin. In den 1950er und 1960er Jahren prägte er mit dem Eden-Saloon (Old Eden) die Nachtclub-Szene auf Berlins Kudamm. Weitere Clubs folgten: New-Eden, Eden-Playboy-Club, Kabarett Schlüsselloch, Big Eden, Blue Tattoo und Eden Theater. Rolf Eden liebt die Kameras und wirkte seit 1959 als Schauspieler in etlichen Filmen („Das Testament des Dr. Mabuse“, „Richy Guitar“) mit.

Einst als Jude geflüchtet, kehrte Rolf Eden 1956 wieder zurück nach Berlin

„Geld macht sexy – Wenn sich eine Frau nicht gefällt, dann kauf ich ihr ’nen neuen Busen, dann lass ich ihr was einbauen. Das hat sich natürlich herumgesprochen bei den Damen.“ Er selbst ist mehrmals geliftet (mit 39 Jahren konnte er kaum noch sehen, da durch das Nachtleben seine Augen bereits fast zu waren, die Lider herunterhingen). Sieben Kinder hat er, und unzählige Frauen hatte er. Mit Tausenden schlief er, drei davon liebte er. Seiner über 60 jährigen Tochter erzählt er vor der Kamera, dass ihre Mutter nicht unter diesen dreien war. Seine sieben Kinder, jedes von einer anderen Frau, reden nicht schlecht von ihrem Vater, der für seine ehrliche Direktheit bekannt ist. Regisseur Peter Dörfler („Achterbahn“) filmt Rolf Eden mit seiner Dekaden jüngeren Geliebten „Brischiit“, die er von seinem Wert überzeugt wie ein Kleinod vorführt.

Einst von den Nazis verfolgt, lockte man Rolf Eden 1956 wieder nach Berlin zurück

Als 14jähriger jobbte er mit Freunden als Musiker und ernährte sich mehr oder weniger bereits selbst, nachdem er als Jude von den Nazis nach Haifa floh und später, 1948/49, in Israels „Gründungskrieg“ beteiligt war. Er kehrte nach Berlin zurück, als er in Paris in einer Zeitung las, dass jeder im Ausland lebende Berliner 6.000 Mark erhalte, wenn er 1956 wieder nach Berlin zurück komme. Damit konnte man natürlich etwas anfangen!

Welt-Stars wie die Rolling Stones und Beatles feierten auf Rolf Edens Partys

Ingrid Steeger war eine der ersten, die pünktlich um 0:00 Uhr bei Gegröhle in seinen Disco-Pool sprang. Tischtelefone, Go-Go-Girls, Revue-Girls – 1964 gabs kaum Clubs mit DJ’s – und er hatte gleich eine „Oben-Ohne“-Djane! Er war der erste, der Travestie in einem ganz normalen Laden machte und Leute reihenweise in Ohnmacht fielen, weil sie es nicht glauben konnten, dass das ein Mann war. Die Rolling Stones kamen, die Beatles, Klaus Kinski, Harald Juhnke (er war Jury bei den Miss-Wahlen), Richard von Weizsäcker, Boney M., Nachtclub-Party-Queen Brigitte Mira. Mit Chauffeur fuhr Rolf Eden von Club zu Club zu Club zu Club und zu Club: Jedem in seinen fünf Clubs „Guten Tag“ zu sagen – das war seine Arbeit. Grinsend sagt er in die Kamera: „Das einzig schwere war, nachts das Geld zu zählen.“ Mit 16 Jahren besuchte er bereits mit seinem Papi einen Puff, erzählt er bei Maischberger und von „Flatrates“, wo 20 Frauen breitbeinig liegen – „besser geht’s doch nicht für nen Mann“, lacht er vor einer sichtlich schockierten Sozialpädagogin und Frauenrechtlerin im TV.

Die DVD-Extras beinhalten Deleted-Scenes (Cannes, Bodensee, Djs, Israel Itzhaki, Jehuda – The Painter, Kalinka) und Super-8-Filme (Filmset, Joggen, Rom).

DVD „The Big Eden“ erschien am 11. Mai 2012 bei Senator Home Entertainment

Einer der schönsten deutschen Filme: „Fabian“ (Wolf Gremm, 1978)

Wer bisher dachte, Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin Professor Regina Ziegler sei nur durch ihre zahlreich produzierten TV-Filme bekannt, irrt sich, denn von den nahezu 500 Ziegler-Filmen sind bisher 54 Filme fürs Kino. Mit ihrem Ehemann Regisseur und Drehbuchautor Wolf Gremm produzierte Professor Regina Ziegler 1978 die Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian“ (Erich Kästner ist eine in Dresden geborene Schriftsteller-Legende, „Das fliegende Klassenzimmer“). Gremms „Fabian“ wurde als bester ausländischer Film für den Golden Globe und den OSCAR nominiert. Letzteren erhielt die Ziegler-Produktion „Korczak“, denn Andrzej Wajda wurde dafür 1990 mit dem Academy Award ausgezeichnet. Über Filmpreise muss sich Professor Regina Ziegler nicht beklagen, denn ihre Liste der Ehrungen ist überaus lang.

Auswahl der gewonnen Preise und der Ehrungen Professor Regina Zieglers:

  • International EMMY Award
  • Goldene Nymphe
  • Goldener Julius
  • Deutscher Fernsehpreis
  • Deutscher Filmpreis
  • Adolf Grimme Preis
  • Berlinale Kamera
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • American Cinema Foundation Award („one of the world‘s key film producers“)
  • Innocence in Danger Award
  • Verdienstorden des Landes Berlin
  • Retrospektive im Museum of Modern Art New York

„Zu Gast im Filmkunst 66“ – Regina und Tanja Zieglers Reihe für Cineasten

Als Professor Regina Ziegler Anfang 2011 das Berliner Kult-Kino Filmkunst 66 gemeinsam mit ihrer Tochter Tanja übernahm, überlegten sie sich, was sie dort auf jeden Fall machen möchten und kamen zum Entschluss, nicht nur aktuelle „Super“-Filme zu zeigen, sondern auch Filme, die ihnen am Herzen liegen. So entstand die Reihe „Zu Gast im Filmkunst 66“, die bei den Zuschauern bereits sehr gut ankommt. Am 14. Dezember 2011 luden die Zieglers mit der Wiederaufführung eines Anfang der Achtziger Jahre erfolgreichsten deutschen Filmes „Fabian“ mit folgenden Gästen ins FK 66: Hauptdarsteller Hans-Peter Hallwachs („Der Stoff, aus dem die Träume sind“), Darsteller Gunter Berger („Didi auf vollen Touren“), der sich an seinen Filmsatz „Der Kanzler sagt: „Optimismus ist Pflicht!““ zurück erinnerte und der extra aus dem Krankenhaus angereiste Regisseur und Drehbuchautor Wolf Gremm („Der See der Träume“). Dieser erzählte, während der Entstehung des „Fabian“-Filmes drehte Rainer Werner Fassbinder „Alexanderplatz“ in Berlin. Fassbinder forderte Gremms Film-Team zum Fussballspielen heraus. Gremm war der einzige, der in seinem Team überhaupt Fußballspielen konnte (Torwart), so verloren sie mit 20:0. Später spielte Rainer Werner Fassbinder die Hauptrolle in Wolf Gremms Film „Kamikaze 1989“ (1982) – Fassbinders letzte Rolle vor seinem Tod im Juni 1982. Brigitte Mira, die ebenfalls in „Fabian“ mitspielt, besetzte Gremm in zwölf Fernsehfilmen, als Zwiespältige, denn „sie hatte ein „Psycho-Gesicht““.

Erich Kästners einziger Erwachsenen-Roman begeisterte Regina Ziegler bereits als Teenager

Professor Regina Ziegler erzählte im Filmkunst 66 die Vorgeschichte der Ziegler-Produktion „Fabian“ und wie dieser Film entstand. Als Fünfzehnjährige las sie den einzigen Erwachsenen-Roman Erich-Kästners – „Fabian“ – heimlich mit einer Taschenlampe unter ihrer Bettdecke, da sie eine sehr strenge Mutter hatte (die ihr niemals erlaubt hätte, in diesem Alter „Fabian“ zu lesen). Als 15jährige dachte sie sich folgendes: „Ich werde Filmproduzentin, und dann werde ich den Film mit Wolf Gremm machen, und wir werden Hans-Peter Hallwachs besetzen“ (Herzliches Lachen im Kino Filmkunst 66). Als sie sich 30 Jahre später mit Wolf Gremm Gedanken machte, warum dieser wunderbare Roman „Fabian“ bisher nie verfilmt wurde, fanden sie des Rätsels Lösung schnell: Kästner war sehr clever, denn er hatte die Rechte an diesem Roman seinen beiden Frauen hinterlassen: Der Geliebten und seiner Ehefrau! Alle Versuche, die beiden Damen zu einem „Ja“ zu bewegen, waren ihren Vorgängern nicht gelungen. Nach zwei Tagen schwerster Verhandlungen, rief Wolf Gremm Frau Ziegler an, mit der Freudensfest-Nachricht, denn beide verhassten Kästner-Damen unterschrieben, nachdem Gremm sie überzeugen konnte! Professor Regina Ziegler erzählte noch über das New Yorker Museum of Modern Art und was sie mit Wolf Gremm Ende der 70er Jahre in New York erlebte, erzählte sie nur Suite101.de-Redakteur Martin Döringer.

Martin Döringer: „Frau Professor Ziegler, verraten Sie mir, was sie vorhin aus Zeitgründen nicht erzählten, als sie mit „Fabian“ zu „United Artists Pictures“ nach New York gingen?“

Professor Regina Ziegler exklusiv zu Suite101.de: „Vor dem großen Gebäude der „United Artists Pictures“ in New York (wo man mich mit Wolf Gremm einlud, um über den Verleihvertrag zu sprechen) war ein Schuhputzer davor. Gremm ließ sich eine halbe Stunde die Schuhe putzen, weil er dachte, das bringt Glück. Und dann klappte alles mit dem Vertrag!““

Wolf Gremms „Fabian“ ist wegen durchgehender Perfektion jede einzelne Sekunde sehenswert!

Selten sieht man einen Kinofilm, der keine Längen birgt. Gremms „Fabian“ ist so einer, denn er besticht vor allem durch Kreativität und Vollkommenheit! Jeder Darsteller, bis hin zur kleinsten Nebenrolle, ist in „Fabian“ Ausdruck von gediegener Vollendung! Ausstattung, Drehorte, Schnitte, Kamera-Führung, Dramaturgie – bei „Fabian“ stimmt, fließt und harmoniert absolut alles miteinander und ineinander. „Fabian“ erzählt die satirische Geschichte Berliner Zustände in der Weimarer Republik Ende der 20er Jahre. Als um 1930 die Weltwirtschaftskrise ausbricht, wird der 32jährige Germanist Dr. Jakob Fabian (Hans-Peter Hallwachs), der als Adressenschreiber und Zigarettenreklame-Texter arbeitete, arbeitslos. Er besucht Etablissements für sexuell Abartige und säuft mit Journalisten, viele der Arbeitslosen sind zu dieser Zeit gepflegt, gestylt (Hut, Anzug, polierte Schuhe), die Frauen fast alle Prostituierte. Jakob Fabians einzig wahrer Freund Literaturwissenschaftler Labude (Hermann Lause, „Schtonk!“) sorgt aufgrund eines tragischen Witzes für viel Dramatik. Von der Machart erinnert Wolf Gremms „Fabian“ an Fassbinder-Produktionen – mit dem Unterschied, dass Gremms filmische Umsetzung des Erich-Kästner-Romanes mit unvorhersehbarem Ende viel besser und perfekter ist, als irgendein Fassbinder-Film.

„Fabian“ von Wolf Gremm wurde am 14. Dezember 2011 im Filmkunst 66, Bleibtreustraße 12, 10623 Berlin, wiederaufgeführt und erschien am 08. November 2004 als DVD bei Universum Film GmbH.