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Interview mit Regisseur François Ozon zum Deutsch-Französischem Liebesdrama „Frantz“: „Mein nächster Film wird sehr sexy!“

Sehen Sie sich oft deutsche Filme an? Beim Cast ihres neuen Filmes „Frantz“ hat man diesen Eindruck.

François Ozon: „Also ich kenne deutsche Klassiker, und die Filme von Fassbinder. Ich habe selbst ein Stück von Fassbinder adaptiert. Ich kenne die Filme von Wim Wenders, Schlöndorff, Petzold. Aber es gibt in Frankreich sehr wenige deutsche Filme die dort laufen – außer sie handeln vom zweiten Weltkrieg. Ich kannte wirklich nicht alle Schauspieler, die Sie jetzt in meinem neuen Film sehen. Viele hatte ich erst durch das Casting kennengelernt. Wen ich vorher kannte, war Johann von Bülow, ihn hatte ich in „Das Labyrinth des Schweigens“ gesehen und Ernst Stötzner, den ich in einem Film von Hans-Christian Schmid sah. Paula Beer und Marie Gruber kannte ich nicht, das hatte sich erst durch das Casting ergeben.“

Haben Sie durch das vorwiegend schwarz-weiß-filmen in „Frantz“ neue künstlerische Aspekte für sich entdeckt? Fanden Sie es schwieriger in Schwarz-Weiß zu drehen als in Farbe?

François Ozon: „Das Schwarz-Weiß vereinfacht einfach vieles; wenn man einen historischen Film dreht, dann ist schwarz-weiß insofern einfacher, weil die Dekors, die man streckenweise hat, einfach zu modern sind. Schwarz-Weiß ist ein guter Ausgleich, das ist praktisch. Wenn ich durch den Kamerasucher schaute, hatte ich natürlich Farbe gesehen. Auf meinem Monitor hingegen war es dann Schwarz-Weiß. Das war ganz interessant, weil wenn ich selber drehte, schien mir alles zu sein, wie immer. Und wenn ich mir das anschaute, was ich gemacht hatte, auf dem Monitor in Schwarz-Weiß, dann war ich total erstaunt, weil plötzlich eine ganze cinemafotographische Erinnerung vor einem erscheint, so dass ich dachte: „Oh! Das sieht ja aus wie aus einem Film von Max Ophüls.“ Das ist eben das, womit ich nicht gerechnet hatte. Die Erinnerung des Kinos kommt wieder zurück. Das ist unbewusst. Letztlich war es auch amüsant, plötzlich sagen mir Leute: „Ah, Sie haben sich an diesem und jenem Stummfilm inspiriert.“ Aber es stimmt eigentlich gar nicht, sondern es ist einfach kollektive Erinnerung an das Schwarz-Weiß-Kino die dann eine Rolle spielt.“

Dieses Weich und Hart durch das Schwarz-Weiß in Ihrem Film „Frantz“ erinnert auch sehr an Fotos von Helmut Newton. Mir fiel das speziell in der Szene auf, wo Anna (Paula Beer) ins Wasser geht um sich umzubringen. Der harte Kontrast von den Wellen im Wasser zu ihrem weichem Gesicht.

François Ozon: „Also das Schwarz-Weiß verstärkt ja durch seine Strenge auch das Leiden. Dadurch wirkt das alles auch ein bisschen stärker. Eine Geschichte die 1919 spielt, nach Millionen von Toten, die verlangt auch ein bisschen nach Strenge, so fand ich es logisch und es dient dem Film. Das interessante an der Szene mit dem See ist, dass man diesen See in der Szene mit Anna und Adrian zusammen in Farbe sieht. Als man ihn dann zum zweiten Mal sieht, ist die Szene mit Anna alleine und das zeigt auch ein bisschen die Depression, in der sich die junge Frau in diesem Moment befindet.“

„Die Franzosen lernen Deutsch und die Deutschen lernen Französisch, um sich dann gegenseitig zu bekriegen.“ So lautet ein Dialog aus „Frantz“. Woran lag dieses Verhalten von Früher Ihrer Meinung nach?

François Ozon: „Ich habe mit vielen Historikern gesprochen und diese bestätigten mir, dass es eigentlich zwischen Deutschen und Franzosen starke Freundschaften gab vor diesem Krieg 1914 bis 1918 und dass es viele pazifistische Tendenzen gab. Das war in intellektuellen und in wissenschaftlichen Kreisen. Unter Philosophen, unter Literaten, unter Künstlern. In meinem Film sind es ja auch junge Studenten, die insofern nicht repräsentativ sind für alle Deutschen oder für alle Franzosen. Aber Fakt ist, dass es zwischen beiden Ländern sehr starke Bindungen gab. Diese Bindungen haben in erster Linie über die Kultur, über die Musik funktioniert, wie man auch in „Frantz“ sieht. Gerade in einer Zeit, wo die Nationalismen überall wieder hoch kommen, wo man sich plötzlich auch versteift, aus der eigenen Identität; wo es diese Angst vor dem Fremden gibt, Angst vor Immigranten – da war mir sehr wichtig, auf andere Aspekte hinzuweisen.“

Wie war es für Sie das erste Mal Kriegs-Szenen zu drehen? Manche der Szenen sehen sehr gefährlich aus. Hatten Sie Stunt-Männer eingesetzt?

François Ozon: „Ehrlich gesagt hatte ich viel Spaß diese Kriegs-Szenen zu drehen. Wir fanden es auch komisch, weil es war das erste Mal solche Action-Szenen überhaupt zu drehen. Danach sagte ich mir: „Vielleicht sollte ich das öfter mal machen!“ Auf der Leinwand sieht es natürlich alles sehr dramatisch aus, aber das war es eigentlich überhaupt nicht beim drehen. Sicherlich gab es auch Gefahren, aber wir waren von sehr guten Technikern umgeben. Pierre Niney und ich hatten an diesen Tagen sehr viel Spaß, wir waren so wie Kinder, die Krieg spielen.“

„Frantz“ thematisiert Lügen. Was war die bisher größte Lüge in Ihrem Leben?

François Ozon: „Oh la la!, das ist jetzt eine sehr private Frage! Die Lüge interessiert mich vor allem im Kino! Bei der Lüge ist es ja immer so, dass man sich selbst etwas offenbart, indem man lügt. Anna lügt in diesem Film die Eltern an, aber auch Adrien lügt. Ein Effekt von Lügen ist immer eine gewisse Form der Selbstverleugnung. Dinge, die man über sich selbst nicht wissen möchte. Und Anna wird dann vielleicht irgendwann klar, dass weder Frantz, noch Adrien die richtigen Männer in ihrem Leben sind.“

Würden Sie Ihren Film als Anti-Kriegs-Film bezeichnen?

François Ozon: „Nun, „Frantz“ ist sicherlich ein pazifistischer Film, der die Absolutheit eines Krieges zeigt und auch die Nutzlosigkeit, und der vor allen Dingen auch zeigt, dass das Leiden auf beiden Seiten gleich ist. Egal ob auf deutscher oder französischer Seite – man leidet. Der Film zeigt es wie in einem Spiegel. Dieser Krieg ist auch so nutzlos, weil wir als Zuschauer auch wissen, dass danach ein zweiter Krieg folgte, der unter anderem daraus resultierte, dass der Frieden 1919 in Versailles die Deutschen sehr verletzt hat und letztendlich dazu geholfen hat, dass die Nazis in Deutschland die Macht erringen konnten.“

Frantz war Pazifist. Wollte er lieber sterben als morden?

François Ozon: „Frantz ist sehr frankophil, er ist pazifistisch und er hat überhaupt keine Lust auf diesen Krieg. Als er Adrien im Schützengraben trifft – solche Szenen hat es sehr oft gegeben während des Krieges und es gibt Leute, die haben dann eben als erstes geschossen. Es hat auch kurze Szenen von Verbrüderungen gegeben für eine Nacht, als man sich beispielsweise Fotos von seinen Verlobten gezeigt hat. Frantz sagt es ja in einem Brief: Franzosen sind seine Brüder. Ob es ein bewusster Selbstmord ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hatte er keine Lust, an diesem Krieg teilzunehmen.“

Einige Filmkritiker behaupten, in „Frantz“ käme eine gewisse Homo-Erotik vor. Das ist mir persönlich überhaupt nicht aufgefallen. Was sagen Sie dazu?

François Ozon: „Sicher gibt es da direkte Anspielungen. Ich denke, die Zuschauer, die das mit ihren heutigen Augen sehen, verstehen das natürlich auch, wenn es zu einer Männerfreundschaft kommt, dass sie ihrer Interpretation freien Lauf lassen. Das ist das was ich will! Der Zuschauer soll Bilder interpretieren! Das sind keine neutralen Bilder und jeder interpretiert das, was er aus eigener Erfahrung hineinprojizieren möchte. Ich habe diese Begegnung zwischen Adrien und Frantz so inszeniert, als würden sie sich in diesen Schützengraben heftig ineinander verlieben. Es ist Hitchcock, der einmal sagte, man muss den Mord so filmen, wie eine Liebesbeziehung und eine Liebesbeziehung so filmen, wie einen Mord.“

Ihre Filme von „Sitcom“ bis „Frantz“ sind extrem unterschiedlich. Können Sie bereits über Ihr neuestes Projekt berichten?

François Ozon: „Der nächste Film-Dreh beginnt in einem Monat. Mir ist klar geworden, dass „Frantz“ ein sehr keuscher Film war. Der nächste Film wird sehr sexy!“

„Frantz“ seit 29. September bundesweit im Kino (X-Verleih)

 

Trailer „Frantz“ (François Ozon)

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Interview mit Timo Jacobs zur Premiere „Mann im Spagat“

mann-im-spagat-poster-01Timo Jacobs („Klappe Cowboy“) war mit sage und schreibe drei Filmen beim achtungberlin Filmfestival 2016 vertreten: „Back To Nothing“, „Oregon Pine“ – sein zweiter selbst produzierter Spielfilm „Der Mann im Spagat“ eröffnete sogar das beliebte Berliner Filmfestival.

Timo, du bist mitten im Festival-Stress trotz böser Erkältung. Du bist also nicht der Typ, der Termine aus gesundheitlichen Gründen absagt?

Timo Jacobs: „Nein. Ich bin noch in einem Alter, wo man die Anzeichen des Körpers überhören kann.“

Wie kamst du auf den Titel deines neuen Cowboy-Filmes „Mann im Spagat“?

Timo Jacobs: „Cowboy war zerrissen zwischen den ganzen Problemen, die er lösen will. Dann hatte ich diese Vision, dass dieser Mann meditierend im Spagat auf dem Brandenburger Tor sitzt und versucht, seine Mitte zu finden, um die Probleme anpacken zu können. So kam der Titel zustande: „Mann im Spagat“.“

In deinem Film ist dein Vater Tänzer, ist das der Beruf deines echten Vaters?

Timo Jacobs: „Nein, mein Vater ist kein Tänzer, das ist ausnahmsweise mal Fantasie. Es war ein Wunschtraum von mir, dass Elvis einmal mein Vater ist, und das hab ich mir jetzt mit dem Film ermöglicht.“

Wieso war das ein Wunschtraum, dass Elvis dein Vater wäre?

Timo Jacobs: „Weil ich ein Rock’n Roller bin.“ (Kichert).

Wie war die Filmparty im Roadrunners?

Timo Jacobs: „Ich war sehr erschöpft von dem Endspurt, meinen Film fertigzustellen, dass ich nach drei Bieren schon so müde war, dass ich nach Hause musste. Das war mir alles zu wuselig gestern. Es kamen auch nicht so richtig Film-Gespräche auf, weil alle so auf Heißsporn, -aufgepeitscht waren.“

Dein erster selbst produzierter Film „Klappe Cowboy“ hatte beim achtungberlin Filmfestival eine lobende Erwähnung bekommen. Dein zweiter „Der Mann im Spagat“ ist nun der Eröffnungsfilm. Wie war denn deine Reaktion nach dieser Nachricht? Auch so lässig und cool?“

Timo Jacobs: „Nee, da bin ich durch meine Wohnung getanzt und habe Purzelbäume gemacht.“

Hattest du bereits damit gerechnet oder damit spekuliert, dass „Mann im Spagat“ das Kaliber zum Eröffnungsfilm hat?

Timo Jacobs: „Es wurde bereits immer mal nachgefragt, wie es denn nun aussieht mit meinem Film, bzw. wann er fertig gestellt ist. Aber dass er nun Eröffnungsfilm wurde, das war eine Überraschung!“

Was bedeutet dir das achtungberlin Filmfestival?

Timo Jacobs: „Ich finde es ein sehr erfrischendes Festival! Auch ein Spagat, was die Auswahl betrifft. Im Gegensatz zur Berlinale, wo die Filme sich eher ähneln, ist das achtungberlin schon fetzig. Die Jungs, die es organisieren, sind sehr sympathisch und umtriebig, das tut dem Festival gut.“

Für „Mann im Spagat“ gibt es bereits einige Verleiher-Anfragen, also kommt der Film regulär in die Kinos, oder?

Timo Jacobs: „Der kommt in die Kinos! Es gibt bereits einige Verleiher-Anfragen. Hinsichtlich dessen werde ich in nächster Zeit einige Gespräche führen, da der Film insgesamt so
ein gutes Stimmungsgewitter erzeugte und die Leute von einem geilen Vibe berichteten, wird sicher einiges mit dem Film passieren. Um es Mit Knut Elstermanns Worten zu sagen, ist der Film was ganz besonderes, um so ernster er wird um so komischer ist er! Ich werde mich reinhängen und schauen dass der Film einen guten Platz in den Kinos findet.“

Auf dem diesjährigen achtungberlin Filmfestival liefen ja gleich drei Filme, in denen du mitwirkst.

Timo Jacobs: „Ich hab gerade eine „Blüte-Phase“, das ist irgendwie ein Highlight, vielleicht war auch deswegen nach der Premiere bei mir ein Hauch von Melancholie. Die Stimmung war so bombastisch! Da kamen gleich Gedanken, wie ich das wohl wieder toppen könnte. Man möchte sich ja weiterentwickeln und der Welt weiterhin einen Beitrag geben können, ein Beitrag der etwas bewegt.“

Was wäre denn das maximale an Filmen, die du selbst auf einem Festival „stemmen“ könntest?

Timo Jacobs: „Ich glaube, da sind keine Grenzen gesetzt, solange ich meinen Beitrag als wahrhaftig verstehe, aber darum geht es natürlich nicht, ist doch klar, es geht nur darum: weiterzumachen.“ (Augenzwinkern)

In „Back To Nothing“ geht es um Kannibalismus und du spielst jemand, der seine Ehefrau (Meret Becker) ausweidet und mit Menschenfleisch handelt, was du sehr überzeugend machst. Wie bereitest du dich auf solch extrem schwierige Rollen vor?

Timo Jacobs: „Ich recherchiere sehr viel, mache sehr viel Hausaufgaben. Dann steigere ich mich so sehr hinein, bis es für mich echt ist.“

„Mann im Spagat“ ist deiner Mutter gewidmet, die während der Dreharbeiten verstarb. Deine kranke Mutter sollte auch erst im Film mitspielen. Hattest du das mit ihr bereits besprochen?

Timo Jacobs: „Leider hatte meine Mutter aufgrund ihrer Nervenerkrankung kein Erinnerungsvermögen. Ich habe das mit ihr besprochen, und in dem Moment war sie immer sehr geschmeichelt und sagte, sie mache das gerne. Aber wenn ich es am nächsten Tag wieder angesprochen habe, dann wusste sie nicht mehr genau, wovon ich rede. Ihre Krankheit schritt dann soweit voran, dass es für sie eine Zumutung gewesen wäre und das hätte ich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren können; dann fing ich an, mich nach einer Schauspielerin umzuschauen.“

Du bist vom Norden in den Osten Deutschlands gezogen. Wie findest du den Unterschied zwischen Hamburg und Berlin?

Timo Jacobs: „Hamburg ist bequemer, zarter und gemütlicher. Berlin pulsiert mehr, hier ist mehr Fluktuation, Bewegung, Freigeist. Das ist in meiner Lebenssituation jetzt viel erfrischender, es gibt immer noch neue Sachen, die ich neu entdecken kann – selbst nach 10 Jahren. In Hamburg habe ich irgendwie alles abgeglotzt und in Berlin hab ich nach zehn Jahren immer noch das Gefühl, dass hier ein frischer Wind weht und nichts so richtig fad wird. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt, hat ein klares Gesicht, Berlin hat mehrere Gesichter. Es gibt nicht das klare „dit is Berlin“, es ist eher immer eine Beschreibung mehrerer Zustände, die aufeinander treffen. In Hamburg hast du da schon ein klareres Bild vor Augen.“

Regisseur Klaus Lemke entdeckte dich auf ner Party wo du als DJ gebucht warst. Legst du noch Platten auf?

Timo Jacobs: „Ich hab eine sehr ausführliche Plattensammlung und lege zu Hause gerne auf, wenn ich Gäste habe. Oder ab und zu wenn eine Anfrage kommt, auf Film-Partys. Im großen Stil mach ich das gar nicht mehr so, weil da musst du ja auch am Ball bleiben.“

Was sind deine aktuellen Anspiel-Tipps in Sachen Musik?

Timo Jacobs: „Kamasi Washington hab ich neu für mich entdeckt, das Album „Epic“ hält ein was der Titel verspricht. Hmm, ich gehe eher auf kleine Konzerte, habe eine absoluten Faible für guten Garage Sound und obwohl ich kein Fan von so Riesen Konzerten bin, gehe ich mir wohl mal die Antword diesen Sommer anschauen die spielen in Berlin, zwar nicht Garage aber hitzig, mit ner guten Power.
Hingegen, Roky Erickson Ende April, möchte ich auf keinen Fall verpassen, habe ihn schon einige Male auf dem SXSW in Austin Texas gesehen und sogar einmal in NYC eine Filmpremiere für ein Konzert von ihm sausen lassen, jetzt spielt er meines Wissens nach zum ersten Mal in Deutschland, und ja das ist spannend, denn er ist nicht von diesem Planeten, er ist der Inventor of Psychedelic Rock!“

Die Filmmusik zu „Der Mann im Spagat“ wurde unter anderem von Steve Morell komponiert. Wird es einen offiziellen Soundtrack geben?

Timo Jacobs: „Das würde ich mir wünschen, es ist eine so brisante Mischung, eine Explosion von Grooves, dafür poliert jeder Kenner gerne seine Lackschuhe zum Tanz.“

Die „Mann im Spagat“-Filmkostüme sind sehr abgedreht und spacig. Der ganze Film ist wie eine Konfetti-Explosion. Hattest du nicht gedacht, dass du mit deinem neuen Film das Publikum überforderst?

Timo Jacobs: „Ich glaube, dass man Menschen mit Fantasie nicht überfordern kann. Die Aufgabe ist vielleicht auch, Empathie zu empfinden für Fantasie des Zuschauers im Generellen. Ein kollektiver Atem, den wir alle einatmen, der Sinnbildern entspricht, für Dinge, die wir alle für Dinge halten, die wir erlebt haben. Das habe ich versucht, umzusetzen und an Fantasie bist du da grenzenlos, sofern du den Zuschauer von Anfang an in diese Fantasie-Welt hinein geholt hast. Alles was in dem Film zu sehen ist, ist ja auch möglich, es ist nichts komplett an den Haaren herbeigezogen, das denke ich ist wichtig, dass nichts – so überhöht es auch sein mag – „Tüddelkram“ ist, wie der Hamburger es sagen würde.“

140 Leute haben an deinem Film „Der Mann im Spagat“ mitgearbeitet. Nicht jeder schafft es, so ein großes Team zu organisieren.

Timo Jacobs: „Tja, da muss man auch mal Ansagen machen und Dinge beisammen halten, auch wenn es einem selbst nicht so genau klar ist ob das alles so rund läuft, man darf da den Glauben nicht verlieren, dran bleiben ist die Devise, sonst geht das ganze den Bach runter. Es ist eine pädagogische Arbeit, wo man trotz Ansagen, viel Liebe und innere Ruhe braucht. Viele Dinge lassen sich oft nicht so umsetzen, wie man sich das vorstellt. Da muss man dann in der Lage sein, einen Spagat zu machen und überlegen: „Was kann ich nun machen um aus der Not eine Tugend zu machen?“ Diese Denke habe ich auch durch Klaus Lemke kennengelernt. Nicht an den Dingen zu verzweifeln die fehlen, sondern das was da ist als Stilmittel einsetzen, bereit zu sein für einen Plan B, weitermachen und umsetzen. Viele in meinem Team haben teilweise gedacht, ich bin bekloppt, wenn sie etwas ganz anders gehört oder gelesen haben. Beim Endergebnis des Filmes nach drei Jahren haben sie dann alles verstanden.“

Wird es mit Cowboy weitergehen?

Timo Jacobs: „Das kann ich mir schon gut vorstellen, wenn ich die Figur nun einschläfern würde, wäre das schon fies, einfach weil sie immer gern mal anklopft, weil sie heiß ist, heiß auf Action.“

Ist Cowboy also ein Lebens-Projekt?

Timo Jacobs: „Es ist ja so, dass Dinge sich ändern, und da bleibt Cowboy sicher nicht stehen, Cowboy hat noch viel vor und da ist meine Fantasie auch voll mit Interesse dabei, soweit ich das jetzt sehe, aber das entscheide ich nun auch nicht komplett alleine, sondern es wird auch bestimmt, durch die Begierde, durch das Verlangen der Zuschauer.“

Teaser „Mann im Spagat“:

 

Interviews „Fassbinder“: Irm Hermann, Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Harry Baer…

Interview mit Billie Ray Martin, „Fassbinder“-Doku-Premiere, Volksbühne Berlin

For english translation please click the undertitle-symbol of the Youtube-Video:

Billie Ray Martin als Gast-Sängerin bei S’Xpress „Hey, Music-Lover!“:

Billie Ray Martin „Your loving arms“

Billie Ray Martin Veranstaltungs-Tipp.

Interview mit Francois Ozon („Eine Neue Freundin“)

Francois Ozon, Premiere "Eine neue Freundin" ("Une nouvelle amie") Cinema Paris Berlin, (C) Martin Döringer

Francois Ozon, Premiere „Eine neue Freundin“ („Une nouvelle amie“) Cinema Paris Berlin, (C) Martin Döringer

Kulturclashing: Sehen Sie sich selbst auch als einen Mix aus Fassbinder und Almodóvar oder inspirieren Sie diese Kult-Regisseure für Ihre Filme (die hier in Berlin bei Saturn-Hansa-Alexanderplatz bereits ein eigenes Regisseur-Fach haben)?

Ozon: Fassbinder ist schon jemand, der mir sehr wichtig ist und der mich als junger Mann, als Student sehr inspiriert hat. Almodóvar ist jemand, den ich sehr interessant finde. Es freut mich, dass Sie mir Cineasten genannt haben, die ich mag – anstatt mich mit Filmemachern zu konfrontieren, die ich nicht mag. Letztendlich ist das eher etwas, was Journalisten tun; ich definiere mich natürlich nicht nur an anderen Filmemachern. Ich habe ein Stück von Fassbinder adaptiert („Tropfen auf heiße Steine“) und einen Film daraus gemacht. Obwohl ich da natürlich meine eigenen Visionen mit eingebracht habe. Genau wie bei einem Theaterregisseur, wenn er Shakespeare inszeniert, habe ich natürlich etwas Eigenes daraus macht.

Kulturclashing: Sind schöne Menschen sehr wichtig für Ihre Filme? Und war es für Sie wichtig, dass der Mann als Frau gut aussah (was man von als Frauen verkleideten Männern nicht behaupten kann)?

Ozon: Wir wollten Entwicklung zeigen. David verwandelt sich ja nicht in eine wunderschöne Virginia. Auf jeden Fall geht es um den Look und er muss langsam auch seinen Look finden. Anfangs macht er Fehler wie viele Männer das tun, wenn sie sich als Frauen verkleiden: er schminkt sich zu krass, er trägt zu glamouröse Klamotten… Es braucht seine Zeit und diese Entwicklung wollte ich zeigen. Ich glaube, dass er letztendlich nicht wirklich zu einer wunderschönen Frau wird, aber er empfindet sich selbst als Frau.

Eine neue Freundin, Francois Ozon (C) Martin Döringer

Eine neue Freundin, Francois Ozon (C) Martin Döringer

Kulturclashing: Entdeckt Claire ihre lesbische Seite in der Beziehung mit David als Frau? Während der Bettszene verlässt sie ihn mit dem Kommentar „es geht nicht, weil du ein Mann bist“…

Ozon: Claire ist einfach verloren. Sie weiß nicht mehr genau, was sie eigentlich sucht. Und sie weiß nicht, ob sie in Laura verliebt war, oder in David oder in Virginia. Sie befindet sich in einem Strudel der Emotionen und ist vollkommen verwirrt. Genau das wollte ich auch mit dem Zuschauer machen, der ebenso verloren ist und nicht mehr genau weiß, was er denken soll.

Kulturclashing: Die Filmmusik in „Eine neue Freundin“ ist ein enormer Stimmungs-Aufheller. Weshalb haben es Katy Perry („Hot’n Cold“) und „D.I.S.C.O“ von The Young Professionals nicht auf den Soundtrack geschafft, der in Frankreich veröffentlicht wurde?

Ozon: Ich denke, das ist eine Frage von Rechten und Geld.

Interview: Martin Döringer

Interview mit Hollywood-Star Robert Pattinson zum Wall-Street-Film „Cosmopolis“

Horror-Kult-Regisseur David Cronenberg („Die Fliege“) und Hollywoodstar Robert Pattinson(„Twilight“) präsentierten dem Berliner Publikum Ende Mai 2012 gemeinsam ihren Film „Cosmopolis“. „Robsessed“-Fans campierten bereits eine Nacht zuvor vor dem Kino International und begrüßten ihren Vampir aus „Twilight“ mit Gekreische vor dem roten Teppich der Deutschland-Premiere, einige reisten extra aus dem Ausland an. Robert Pattinson nahm sich außerordentlich viel Zeit für Fotos und Autogramme. Als Eric Packer stellt er in „Cosmopolis“ einen satirischen, reichen und rigorosen Finanzjongleur dar. Pattinson-Fans sehen ihr Idol fast in jeder Einstellung des Films. Unterwegs zu einem Friseurtermin fährt er an einem April-Tag im Jahre 2002 in einer Stretchlimo durch die 47. Straße Manhattans. Das Innere der Limousine gleicht seinem Seelenleben. Demonstrationen gegen Globalisierung und die Fans des verstorbenen, zu Grabe getragenen Sufi-Rappers Brutha Fez lassen Erics Friseurtermin zu einer 24stündige Irrfahrt werden, geprägt von Sex mit Älteren (Juliette Binoche), Gewalt und Mord.

Suite101-Autor Martin Döringer traf einen schlagfertig besonnenen und äußerst natürlich sympathisch wirkenden Robert Pattinson in Berlin für ein Interview im Hotel De Rome.  Lies den Rest dieses Beitrags

Interview mit Hollywoods Kult-Regisseur David Cronenberg zu „Cosmopolis“

Gemeinsam präsentierten Starregisseur David Cronenberg und Hollywoodstar Robert Pattinson („Twilight“) dem Berliner Publikum Ende Mai 2012 ihren Wall-Street-Film„Cosmopolis“. Der Roman über das Ende von Kapitalismus von John DeLillo erschien bereits 2003 und ist aktueller denn je. Das Gekreische war groß, als „Robsessed“-Fans, die bereits eine Nacht vor der Deutschland-Premiere am Kino International campierten, ihren Vampir aus „Twilight“ vor dem roten Teppich begrüßten. Robert Pattinson nahm sich erklecklich viel Zeit für Fan-Fotos und Autogramme, bekam sogar Bücher von seinen Fans geschenkt. Starregisseur Cronenberg („Eine dunkle Begierde“) filmt Pattinson als Eric Packer, den emotionslosen, reichen und rigorosen Finanzjongleur, der in seiner High-Tech-Stretchlimo zu einem Friseurtermin durch die 47. Straße Manhattans fährt. Die 24stündige Odyssee verändert sein Leben.

Suite101-Autor Martin Döringer traf einen taktvollen, bedachtsamen und aufnahmebereiten David Cronenberg in Berlin für ein Interview im Hotel De Rome.  Lies den Rest dieses Beitrags

„Oh Boy“ – Ganz großes Kino! Interview mit Jan-Ole Gerster

„Oh Boy“… Wie ein Seufzer liest sich Jan-Ole Gersters Debüt-Filmtitel, ein Zitat aus dem Beatles-Song „A Day In The Life“. Nach dem Professoren-Spruch „Besetzung ist die halbe Inszenierung“ spielen darin unter anderem Ulrich Noethen und Michael Gwisdek, mit Berlin und Tom Schilling als Hauptrolle besetzt und in lyrischem Schwarz-weiß gefilmt. Die Darsteller wurden sehr gut durch die Regie des Newcomers geführt, jeder spielt seine Parts ungekünstelt natürlich und sehr glaubwürdig – auch kleine Parts, wie die der U-Bahn-Kontrolleure. „Oh Boy“ handelt von Niko, der in Berlin mit sich selbst ein Problem hat. Nachdem er sein Studium schmiss, versucht er seinem Problem auf verschiedenste Art und Weise auf den Grund zu gehen, sein „Main Stress“ besteht dabei auf Zuhören. Regisseur und Drehbuchautor Jan-Ole Gerster inszenierte „Oh Boy“ als Melancholie-Komödie, wobei lustig wohl eher auf komisch reduziert wurde, liegt doch der Weltschmerz zu tief in der Seele des Protagonisten, um darüber böse lachen zu können. In wunderschönen Schwarz-weiß-Bildern erfährt man mehr von einer einsamen Seele unserer heutigen Generation; ein Blues aus der deutschen Hauptstadt Berlin, mit sanften Jazz-Tönen untermalt. Ganz großes Kino!

Suite101.de-Autor Martin Döringer interviewte das Regie-Talent Jan-Ole Gerster in Berlin bei X-Filme Creative PoolLies den Rest dieses Beitrags

„Totem“ – Interview mit Natja Brunckhorst, Ikone der 80er Jahre – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Familie Bauer wohnt in einem Reiheneckhaus mit Garten im Ruhrgebiet. Das Leben besteht aus frustrierendem Alltags-Trott. Mutter Claudia (Natja Brunckhorst, „Wie Feuer und Flamme“, „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) schafft den Haushalt nicht mehr alleine und sucht sich eine Haushaltshilfe und Kinderhilfe aus dem Internet: Fiona (Marina Frenk). Diese wird den Dreck wegmachen und das Wut-Objekt von der depressiven Claudia, die selten das Haus verlässt. Ihren Mann (Benno Ifland) sieht man kaum und ihre Kinder interessieren sich auch nicht für ihre Mutter. Fiona macht das alles Angst und sie tanzt mit Claudia den Todes-Tanz.

Suite101-Autor Martin Döringer interviewte Schauspielerin Natja Brunckhorst zu „Totem“.  Lies den Rest dieses Beitrags

„Der kleine Nick“ Interview mit französischen Hauptdarsteller Maxime Godart in der Französischen Botschaft Berlin

Der kleine Nick weiß ja anfangs des Films nicht, was er später einmal werden möchte. Weißt du denn schon, was du später einmal werden möchtest?

Maxime Godart exklusiv zu Suite101.de: „Schauspieler. Schauspieler sind ja Leute, die oft noch einen zweiten Beruf haben, ich weiß aber noch nicht, was ich als zweiten Beruf machen würde.“

Gibt es eine Rolle oder Figur, die du unbedingt gerne spielen möchtest?

Maxime Godart exklusiv zu Suite101.de: „Da fällt mir jetzt keine ein. Die Rollen, die man mir gibt, sind in Ordnung.“

Gab es Filmszenen in „Der kleine Nick“, die dir am meisten Spaß machten?

Maxime Godart exklusiv zu Suite101.de: „Diese Szene, wo wir den Zaubertrank ausgeschenkt hatten, die war schon ganz schön toll zu drehen, aber auch verdammt schwierig, weil wir drehten das in Belgien und die ganze Zeit flogen irgendwelche Flugzeuge hin und her, deshalb mussten wir laufend den Dreh abbrechen, weil es für den Ton zu laut war. Und was ich auch toll fand, war die letzte Szene, da wo ich sage, dass meine Schwester noch nicht fertig ist, dass sie nicht schön ist, wo ich sie kritisiere.“  Lies den Rest dieses Beitrags