Archiv der Kategorie: Kino

„Wer ist Hanna?“ – gewaltige Teenager-Action – neu im Kino

Regisseur Joe Wright („Abbitte“, „Stolz & Vorurteil“) vereint in „Wer ist Hanna“ eine atemlos inszenierte, actiongeladene Geschichte, gedreht an ausgewählten Berliner Original-Schauplätzen (wie zuletzt bereits auch sehr sehenswert im Hollywood-Action-Film „Unknown Identity“) mit bis in die Nebenrollen toll besetzten Schauspielern und einem zur Stimmung passenden Soundtrack, komponiert von den Electro-Pionieren Chemical Brothers („Calvanize“), der wie vergleichsweise die Musik in „Lola rennt“ sehr antreibend und pulsierend wirkt.

Teenager Hanna wird in finnischen Wäldern zur Killerin ausgebildet

Der Zuschauer merkt erst nicht, wo er sich befindet, in welchem Jahrhundert er ist und wer die Figuren sind, als „Wer ist Hanna?“ in finnischer Schneelandschaft beginnt. Hanna (Saoirse Ronan, „In meinem Himmel“, Oscar- und Golden-Globe-nominiert für „Abbitte“ ) wuchs in den schneebedeckten, einsamen Wäldern Nordfinnlands, isoliert in einer Holzhütte die Grimm’schen Märchen lesend, auf. Ihr Vater (Eric Bana, „Die Frau des Zeitreisenden“) war einst CIA-Agent und lehrte dem Kind durch jahrelanges Training die Fähigkeiten eines Soldaten und brachte ihr bei, die Oberhand zu gewinnen. Zur Killerin ausgebildet, unterscheidet sich Hanna stark von anderen, gleichalterigen Mädchen, denn sie hatte zudem nie zu anderen Menschen Kontakt – sie ist eine, die jeden abknallt, der sich ihr in den Weg stellt. Als Zuschauer zählt man manchmal ungläubig die Schuss-Monition wie endlos kollabierende Sterne in ihren Gewehr mit. Supernova! Interpol, BND und der französische Geheimdienst werden hellwach!

Jäger werden zu Gejagten in „Wer ist Hanna?“

Hannas Vater schickt sie auf eine Mission hinaus in die Welt; sie reist quer durch Europa und erfährt ihre neue Welt mit durchgedrücktem Gaspedal, begibt sich in sehr große Gefahr, indem sie tut, was sie tut, um die Menschen zu beschützen, die sie liebt. Sie muss blitzschnell wichtige Lektionen lernen, um zu überleben. Die skrupellose und böse Geheimdienstleiterin (Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett, „Heaven“) setzt Agenten auf Hanna an, denn sie hatte sich gezielt vom US-Militär festnehmen lassen, um in einem amerikanischen Geheimgefängnis zu landen, das zu aller Überraschung in einer marrokanischen Wüstenlandschaft liegt.

Kontrastreiche Locations im spannenden Actionfilm „Wer ist Hanna?“

Tarzania – ähm, Hanna – lernt sich kampfeslustig in der neuen Welt zurechtzufinden, findet in Deutschland Kontakte zu Gleichaltrigen, mit auswendig gelernten Freundschafts-Floskeln und erfundener Bio. Die Location-Kontraste könnten nicht unterschiedlicher sein, in Berlin wurde auf typische Touristen-Drehorte verzichtet und in versifften Kreuzberger Ecken sowie im ehemaligen Vergnügungspark Plänterwald gedreht, der dem Film märchenhaft werden lässt. Cate Blanchett spielt hier ihre Rolle, als wäre sie die böse Hexe aus „Hänsel und Gretel“. Nicht nur für Partys scheint diese Location des Plänterwaldes, den man ausführlich aus dem schockierendem Dokumentationsfilm „Achterbahn“ (Peter Dörfler, Marcel Witte) kennt, beliebt zu sein, auch in „Joschka und Herr Fischer“ sowie in neueren Musikvideos sieht man dieses teils gruselige Areal, in dem es in „Wer ist Hanna“ zum zügellosem Show-Down kommt. Der Zuschauer erfährt, wer Hanna ist, doch wird sie sich die Frage selbst noch lange stellen. Der bisher spannendste Film 2011!

„Wer ist Hanna?“ startet bundesweit am 26. Mai 2011 im Verleih der Sony Pictures

Filmtipps der 61. Berlinale 2011: „Red Dog“, „Tales of the night“

Zwei Filmhighlights der 61. Berlinale waren der französische, aufwändige Scherenschnitt-3D-Independent-Film „Tales of the night“ (Wettbewerb), der alle Sinne forderte, und der australische Film ohne Zielgruppe „Red Dog“ (Generation), der vor allem auch beim jungen Publikum sehr gut ankam.

Rührender und witziger australischer Film „Red Dog“

Der australische Regisseur Kriv Stenders wollte mit „Red Dog“ (nach dem gleichnamigen Buch von Louis De Bernières, Drehbuch Daniel Taplitz) einen Film für alle und für keine bestimmte Zielgruppe machen, was ihm äußerst gut gelang! Um den passenden Hund für die Hauptrolle zu besetzen, wurde durch ganz Australien gereist, um Koko zu finden (für den Dreh setzte man außerdem zusätzlich weitere Hunde ein).

Westaustralien, Dampier im Jahre 1971: Hier kann man gutes Geld verdienen. Bei Hamersley Iron arbeiten Arbeiter aus aller Welt (Stahlkocher, Bergleute, Raupenfahrer). Im einzigen Pub treffen sich die Malocher und saufen, prügeln sich, um ihre Wut abzulassen. Im Hinterzimmer liegt ein Hund, den alle kennen und mit dem jeder eine Geschichte verbindet: Red Dog. Jeder, der sich mit dem Hund einließ, wurde bekehrt. Peeto, den Trouble-Maker, verwandelte Red Dog und ließ ihm eine weiche, sentimentale Seite zeigen, von der niemand etwas ahnte. Für den einsamen Italiener Vanno fand Red Dog die Liebe seines Lebens und auch der finstere Bergmann Jocko konnte auf einmal lächeln und freundlich zu seinen Mitmenschen sein. Als Red Dog auf den Herumtreiber John, der bei Hamersley Iron Busfahrer wurde, trifft, weicht er ihm nicht mehr vom Beifahrersitz. Doch bald ereignen sich für Red Dog unbegreifliche Ereignisse… „Red Dog“ ist ein Wechselbad der Gefühle. Eben musste man noch herzhaft lachen, schon ist man wieder den Tränen nahe. Hundeliebhaber werden diesen Film vergöttern, andere werden ihn lieben und australisches Kino neu entdecken!

3D-Independent-Kino aus Frankreich: „Tales of the night“ („Les contes de la nuit“)

In einem heruntergekommenen Kino, das ein Geheimnis hütet, treffen sich jede Nacht ein Mädchen, ein Junge und eine ältere Technikerin. Dieses Kino ist nämlich ein magischer Ort. Die drei Freunde denken sich Dinge aus und lassen diese dort wahr werden. Während Werwölfe heulen, tauchen Elfen und Zauberer auf, Prinzessinen werden von Stallburschen umgarnt. Städte aus Gold und Wäldern, aus denen niemand den Weg mehr herausfindet! Himmlische Chöre umgeben von magischen Trommeln: Animationsfilmer Michel Ocelot schafft es kunsttechnisch mit „Tales of the night“ das Publikum zu verzaubern. Ganz ohne Mimik unterhalten die Schattenfiguren bestens in 3D! Vor Hundert Jahren hatte der Silhouettenfilm sich etabliert, doch richtig magisch wird er jetzt mit der alten Technik der Scherenschnitte, kombiniert mit tollen, modernen Hintergründen und 3D-Technik. Absolut sehenswert und mit sehr viel Witz und Tragik!

  • Beide Filme sind noch ohne deutschen Filmstart.

„Mein Kampf“: Tom Schilling spielt jungen Adolf Hitler

„Liebe deinen Feind, wie dich selbst“ – Hitler war bereits in jungen Jahren durch und durch voller Hass und Selbst-Hass. Nach seinem Motto: „Mit dem Strom schwimmen nur tote Fische“ – danach lebte er bereits als jugendlicher Maler in Wien. Hätte man ihn auf die Kunsthochschule zugelassen, wären massenhafte Gräueltaten an Menschen erspart geblieben. Tom Schilling spielt in „Mein Kampf“ den jungen Adolf Hitler. Für seine Rolle nahm der sowieso bereits magere Schauspieler zehn Kilo ab und wirkt dadurch, wie Adolf Hitler in jungen Jahren, unterernährt; für den Deutschen Filmpreis 2011 nominierte man Tom Schilling als besten Schauspieler, der nach dieser Rolle eine dreimonatige Auszeit brauchte.

Ost-Schauspieler Tom Schilling spricht hemmungslos ober-österreichischen Dialekt

Tom Schilling war in seiner Jugend Punker, Gruftie, Skater und erhielt für seine Rolle in „Crazy“ den Bayerischen Filmpreis. Als junger Hitler spricht der in Berlin-Mitte geborene Ost-Schauspieler hemmungslos und beeindruckend ober-österreichischen Dialekt (dafür erhielt er Sprachunterricht bei einem Linzer Universitätsprofessor): „Die Masse ist wie ein Weib. Du musst ihr hofieren, schmeicheln, damit sie dir gefügig wird“, während er im Obdachlosen-Asyl des Männerwohnheims der derben Frau Merschmeyer (Karin Neuhäuser, „Emmas Glück“) verdünnte Erdäpfelsuppe zu sich nimmt.

Götz George als jüdischer Freund des jungen Hitlers in „Mein Kampf“

Dort freundet er sich mit dem jüdischen Bibelverkäufer Schlomo Herzl (Götz George, „Schtonk!“) an, der ihm seinen typischen Bart stutzt, unter dem er eine Hasenscharte vermutet. Schlomo: „Jeder Mensch ist eine Art Gott.“ „Des Menschenfreude ist Gottesfreude.“ Er rät dem jungen Hitler zu einer Karriere als Politiker und hilft ihm beim Titel seines Buches, rettet ihn vor dem Selbstmord, als er bei der Kunstakademie abgelehnt wird. Zum Dank spuckt ihm Hitler mehrmals ins Gesicht, größenwahnsinnig und von Unsicherheiten und Selbstzweifeln gezeichnet, hetzt er seine Angebetete Gretchen (Anna Unterberger, „Jud Süss – Film ohne Gewissen“) gegen ihn auf, spannt sie ihm aus, geht mit den Deutschnationalen auf „Rattenjagd“, lässt Schlomo wegen angeblichen Kindesmissbrauch verhaften. Das Wien von 1910 wurde in Zittau (Deutschland) gedreht.

„Mein Kampf“ verfilmt von Urs Odermatt nach George Taboris gleichnamigen Theaterschwank

Den Schweizer Regisseur Urs Odermatt fasziniert das Böse und die Abgründe aufzuspüren, die man wegen einer Sozialisierung nicht auslebt. Hitlers Autobiographie erreichte nur deshalb bis 1945 eine Auflage von zehn Millionen, da sie zu allen möglichen Anlässen, wie Hochzeiten, verschenkt wurde. Odermatts „Mein Kampf“ entstand nach dem gleichnamigen Theaterstück von George Tabori (Drehbuchautor Alfred Hitchcocks), der 1952 wegen „unamerikanischer Aktivitäten“ in den USA auf der Schwarzen Liste stand. Später wurde er in Deutschland zu einer Theater-Legende („Mutters Courage“). Urs Odermatts Filmversion pendelt zwischen ridiküler Groteske und illusionslosem Porträt. Sehr sehenswert ist Tom Schilling als junger Hitler, den man ohne mit der Wimper zu zucken mit dem Deutschen Filmpreis als besten deutschen Schauspieler 2011 für diese schwierige Rolle auszeichnen sollte, die er brillant spielt!

„Mein Kampf“ startet am 03. März 2011 bundesweit im Verleih der Ufa Film

„Unknown Identity“ – Deutschland-Premiere auf der Berlinale 20

Im Wettbewerb der 61. Berlinale befand sich außer Konkurrenz die überaus spannende Hollywood-Produktion „Unknown Identity“, die in Berlin, Brandenburg und Leipzig gedreht wurde. Hollywood-Darling Diane Kruger („Inglourious Basterds“) spielt hier die Bosnierin Gina, die in Berlin als Taxifahrerin jobbt. Als sie den Wissenschaftler Dr. Martin Harris (Liam Neeson, „Der Andere“) zum Flughafen fährt, wo er einen Koffer vergaß, verliert sie an der Oberbaumbrücke bei einem Verkehrsunfall die Kontrolle über den Wagen und stürzt damit samt des Fahrgastes in die Spree. Vier Tage später wacht Harris aus seinem Koma auf und kann sich an nichts mehr erinnern – und auch niemand erinnert sich an ihn.

Dr. Martins kann nach Unfall seine Identität nicht beweisen

Als er im Fernsehen zufällig den Bericht über einen biotechnischen Kongress sieht, dämmert es ihm, weshalb er in Berlin ist und wer er ist, er mit seiner Frau im noblen Adlon-Hotel abstieg, um diesen Kongress mit dem arabischen Prinzen Shada (Mido Hamada, „9/11 – Wege des Terrors“) als Gast, zu besuchen. Das Seltsame: Seine Frau Elizabeth (January Jones, „Sie waren Helden“) erkennt ihn nicht und ist mit einem anderen Mann (Aidan Quinn, „Legenden der Leidenschaft“) zusammen. Ohne Papiere ist es schwierig, seine Identität zu beweisen, vor allem dann, wenn die Webseite der Universität, auf der er arbeitet, das Foto des anderen Mannes seiner Frau platziert. Dr. Martin James begibt sich freiwillig in medizinische Behandlung, um einer Verhaftung zu entgehen und einen Plan zur Findung seiner echten Identität zu schmieden.

Martins Leben ist in Gefahr – Gina steht ihm wieder bei

Gina, die Taxifahrerin, die ihm sein Leben rettete, tauchte nach dieser Aktion unter, da sie eine illegale Einwanderin ist (Kruger spricht harten bosnischen Dialekt) und durch diesen Trouble nicht abgeschoben werden möchte. Dr. Martin findet sie in einem Döner-Laden wieder, wo sie nun wegen ihm jobbt, doch sie ist nicht davon begeistert, mit ihm wieder in Schwierigkeiten zu kommen. Die Einzige, die ihm glaubt, ist die Krankenschwester Gretchen (Eva Löbau, „Inglourious Basterds“); sie steckt ihm die Adresse eines Freundes zu, der ihm helfen kann. Kurz darauf wird sie ermordet. Harris wird nun klar, dass er sich trotz Medikamente nichts eingebildet hat und er sich wirklich in ernsthafter Gefahr befindet. Er entkommt dem Mörder.

Gina kann nicht über ihren Schatten springen und verbündet sich mit Martin Harris. Beide sind nun in großer Gefahr, denn Killer (Stipe Erceg und Olivier Schneider) dringen in ihre Wohnung ein. Eine rasante Flucht mit wilden Verfolgungsszenen durchs Berliner Nachtleben beginnt…

„Unknown Identity“ – Top empfehlenswerter Kino-Film 2011

„Unknown Identity“ war einer der besten Filme, der diesjährigen Berlinale – vom Unterhaltungswert der beste! Wer nicht auf Action-Szenen steht, kommt hier trotzdem auf seine Kosten- Für die Szene mit der Tram-Bahn und dem Taxi – hat man so bisher in einem Film dieses Formats noch nicht gesehen – würde man gerne den Oscar geben. Was für Presse-Vorführungen absolut untypisch ist: Publikumsapplaus während des Filmes und den gab es bei der Berlinale-Presse-Jury-Vorführung gleich zweimal für „Unknown Identity“. Tolle Filmaufnahmen, Spannung wie bei Hitchcock und Thrill wie bei Polanski. Einer der empfehlenswerten Filme 2011 – das kann man jetzt schon sagen! Spannungsgeladener Top-Film!

„Unknown Identity“ startet bundesweit am 03. März 2011 im Verleih der Kinowelt

Berlinale 2011: „Coriolanus“ mit Ralph Fiennes, Vanessa Redgrave

Noch ohne Starttermin feierte Ralph Fiennes Regie-Debüt „Coriolanus“ bereits im Februar 2011 in Deutschland Weltpremiere auf der 61. Berlinale. Ralph Fiennes erzählte bei der Pressekonferenz, er spielte bereits vor zehn Jahren am Londoner Theater die Rolle des Coriolanus. Er war wie besessen von dieser Person, entwickelte im Grunde eine Obsession. Fiennes hatte damals schon das Gefühl, dass diese Geschichte von Shakespeare (wurde um 1607 verfasst) einen sehr, sehr guten modernen Film abgeben würde. Diese Idee hatte er einige Jahre im Kopf, sowie die zeitgenössischen Bilder dazu, die er 2010 als Regisseur und Hauptdarsteller umsetzte.

Coriolanus verachtet und rächt sich an Rom

Der römische General Caius Martius (Ralph Fiennes mit vernarbtem Gesicht) schafft die Bürgerrechte ab. Als er mit seinen Soldaten die Stadt Corioles einnimmt, bringt ihm das den Beinamen Coriolanus ein, doch regt sich Widerstand im römischen Volk, denn als Krieger ist Coriolanus gern gesehen, doch nicht als Politiker – und diesen wählt das Volk ebenso wie die Patrizier das tun. Coriolanus verspottete zuerst das Volk, um später um ihre Stimmen zu betteln, schmeichelte er wie ein strafender Gott, umwarb es mit tiefster Abscheu – das Volk, „die wie Krähen auf den Adler einhacken“. Man verleumdet und verbannt ihn. Um sich an Rom zu rächen, bietet Coriolanus sich den Gegnern an, denn „man wird nicht lieben, wenn man nicht vermisst“. „Den Schrecken als Vergnügen ansehen“ – der Brauch verlangt es so.

Kriegsfilm Coriolanus wird zum Schluss hin theatralisch

Das Blatt wendet sich: Tullus Aufidius (Gerard Butler, „P.S. Ich liebe dich“), sein einstiger Gegner, in dessen Herzen er seine Hand waschen wollte, sieht Coriolanus nun als Edel-Menschen, der in der Stadt Blut vergossen hatte und deshalb geschliffen werden muss. Es spielen sich unglaublich homoerotische Szenen ab, wenn die beiden Kämpfer sich keuchend in den Armen liegen, sich verbrüdern, Komplimente machen. Nach diesen Szenen wechselt der Film in ein Szenario über, das eher auf eine Theater-Bühne gehört hätte. „Die erotischen Szenen werden in Shakespeares Stück auch sichtbar und ich wollte die Kämpfe wie eine Art Liebe zeigen. Sie sind wie Samurai – verfeindet und zugleich in einer rätselhaft enigmatischen Beziehung zueinander. Sie bewundern sich unter der Oberfläche“, so Ralph Fiennes bei der Berlinale-Pressekonferenz.

„Coriolanus“ überzeugt mit gierigen, machthungrigen Charakteren

Vanessa Redgrave („Abbitte“) spielt die machtgierige Mutter Coriolanus‘, Mann-Weib und Soldatin. Seinen Mut sog er mit ihrer Muttermilch ein. Sie hatte ihn erzogen, nichts als ein Krieger sein zu können, denn Zorn ist ihre Speise! Mit der Wut aller Höllengeister greift sie sogar Männer an, denn ihre Familie lässt sich nicht von ihrem Land trennen. „Coriolanus“ ist ein ständiges Schießen, knallen, explodieren. Es wird knallhart erschossen, gehäutet, zerfleischt, gelitten, gequält, gemordet, verachtet und gehasst. Ein einstiger, blutiger Hahnenkampf wandelt sich zur Verbrüderung – das ist kaum glaubwürdig, aber dennoch sehr sehenswert gespielt, wenn auch kriegsverherrlichend und äußerst brutal und teils leider auch zeitgemäß, wenn man die aktuelle Politik verfolgt.

„Correolanus“ noch ohne Filmstart im Verleih der KSM

„Und dann der Regen“ – Filmpremiere Kino International Berlin

Hintergrund des Filmes ist der Widerstand in bolivischen Cochabamba, denn der Wasserkrieg im Film „Und dann der Regen“ war bittere Wahrheit Boliviens Anfang der Jahrtausendwende. Unter der Führung des französischen Wasserkonzerns „SUEZ“ wurde 1997 die bis dahin öffentliche Wasserversorgung von El Alto und La Paz verkauft. Der amerikanische Konzern „Bechtel“ erwarb mit einem geheimen und illegalen Vertrag die gesamten Wasserrechte der Provinz Cochabamba. Die Weltbank setzte die bolivianische Regierung unter Druck und die deutsche „GTZ“ („Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“) entwarf ein „Gesetz zur Legalisierung des Privatisierungsvertrags“. Sogleich gingen die Wasserpreise dreifach nach oben, was zu katastrophalen Umständen in der wütenden Bevölkerung Boliviens und zum „Wasser-Krieg“ führte. Drehbuchautor Paul Laverty und Darsteller Juan Carlos Aduviri waren bei der Filmpremiere in Berlin anwesend. „Und dann der Regen“ startet bundesweit am 29. Dezember 2011 im Verleih der Piffl Medien GmbH.

 

Heike Makatsch liest aus „Tom Sawyer“ Kulturbrauerei Berlin