Einer der schönsten deutschen Filme: „Fabian“ (Wolf Gremm, 1978)

Wer bisher dachte, Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin Professor Regina Ziegler sei nur durch ihre zahlreich produzierten TV-Filme bekannt, irrt sich, denn von den nahezu 500 Ziegler-Filmen sind bisher 54 Filme fürs Kino. Mit ihrem Ehemann Regisseur und Drehbuchautor Wolf Gremm produzierte Professor Regina Ziegler 1978 die Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian“ (Erich Kästner ist eine in Dresden geborene Schriftsteller-Legende, „Das fliegende Klassenzimmer“). Gremms „Fabian“ wurde als bester ausländischer Film für den Golden Globe und den OSCAR nominiert. Letzteren erhielt die Ziegler-Produktion „Korczak“, denn Andrzej Wajda wurde dafür 1990 mit dem Academy Award ausgezeichnet. Über Filmpreise muss sich Professor Regina Ziegler nicht beklagen, denn ihre Liste der Ehrungen ist überaus lang.

Auswahl der gewonnen Preise und der Ehrungen Professor Regina Zieglers:

  • International EMMY Award
  • Goldene Nymphe
  • Goldener Julius
  • Deutscher Fernsehpreis
  • Deutscher Filmpreis
  • Adolf Grimme Preis
  • Berlinale Kamera
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • American Cinema Foundation Award („one of the world‘s key film producers“)
  • Innocence in Danger Award
  • Verdienstorden des Landes Berlin
  • Retrospektive im Museum of Modern Art New York

„Zu Gast im Filmkunst 66“ – Regina und Tanja Zieglers Reihe für Cineasten

Als Professor Regina Ziegler Anfang 2011 das Berliner Kult-Kino Filmkunst 66 gemeinsam mit ihrer Tochter Tanja übernahm, überlegten sie sich, was sie dort auf jeden Fall machen möchten und kamen zum Entschluss, nicht nur aktuelle „Super“-Filme zu zeigen, sondern auch Filme, die ihnen am Herzen liegen. So entstand die Reihe „Zu Gast im Filmkunst 66“, die bei den Zuschauern bereits sehr gut ankommt. Am 14. Dezember 2011 luden die Zieglers mit der Wiederaufführung eines Anfang der Achtziger Jahre erfolgreichsten deutschen Filmes „Fabian“ mit folgenden Gästen ins FK 66: Hauptdarsteller Hans-Peter Hallwachs („Der Stoff, aus dem die Träume sind“), Darsteller Gunter Berger („Didi auf vollen Touren“), der sich an seinen Filmsatz „Der Kanzler sagt: „Optimismus ist Pflicht!““ zurück erinnerte und der extra aus dem Krankenhaus angereiste Regisseur und Drehbuchautor Wolf Gremm („Der See der Träume“). Dieser erzählte, während der Entstehung des „Fabian“-Filmes drehte Rainer Werner Fassbinder „Alexanderplatz“ in Berlin. Fassbinder forderte Gremms Film-Team zum Fussballspielen heraus. Gremm war der einzige, der in seinem Team überhaupt Fußballspielen konnte (Torwart), so verloren sie mit 20:0. Später spielte Rainer Werner Fassbinder die Hauptrolle in Wolf Gremms Film „Kamikaze 1989“ (1982) – Fassbinders letzte Rolle vor seinem Tod im Juni 1982. Brigitte Mira, die ebenfalls in „Fabian“ mitspielt, besetzte Gremm in zwölf Fernsehfilmen, als Zwiespältige, denn „sie hatte ein „Psycho-Gesicht““.

Erich Kästners einziger Erwachsenen-Roman begeisterte Regina Ziegler bereits als Teenager

Professor Regina Ziegler erzählte im Filmkunst 66 die Vorgeschichte der Ziegler-Produktion „Fabian“ und wie dieser Film entstand. Als Fünfzehnjährige las sie den einzigen Erwachsenen-Roman Erich-Kästners – „Fabian“ – heimlich mit einer Taschenlampe unter ihrer Bettdecke, da sie eine sehr strenge Mutter hatte (die ihr niemals erlaubt hätte, in diesem Alter „Fabian“ zu lesen). Als 15jährige dachte sie sich folgendes: „Ich werde Filmproduzentin, und dann werde ich den Film mit Wolf Gremm machen, und wir werden Hans-Peter Hallwachs besetzen“ (Herzliches Lachen im Kino Filmkunst 66). Als sie sich 30 Jahre später mit Wolf Gremm Gedanken machte, warum dieser wunderbare Roman „Fabian“ bisher nie verfilmt wurde, fanden sie des Rätsels Lösung schnell: Kästner war sehr clever, denn er hatte die Rechte an diesem Roman seinen beiden Frauen hinterlassen: Der Geliebten und seiner Ehefrau! Alle Versuche, die beiden Damen zu einem „Ja“ zu bewegen, waren ihren Vorgängern nicht gelungen. Nach zwei Tagen schwerster Verhandlungen, rief Wolf Gremm Frau Ziegler an, mit der Freudensfest-Nachricht, denn beide verhassten Kästner-Damen unterschrieben, nachdem Gremm sie überzeugen konnte! Professor Regina Ziegler erzählte noch über das New Yorker Museum of Modern Art und was sie mit Wolf Gremm Ende der 70er Jahre in New York erlebte, erzählte sie nur Suite101.de-Redakteur Martin Döringer.

Martin Döringer: „Frau Professor Ziegler, verraten Sie mir, was sie vorhin aus Zeitgründen nicht erzählten, als sie mit „Fabian“ zu „United Artists Pictures“ nach New York gingen?“

Professor Regina Ziegler exklusiv zu Suite101.de: „Vor dem großen Gebäude der „United Artists Pictures“ in New York (wo man mich mit Wolf Gremm einlud, um über den Verleihvertrag zu sprechen) war ein Schuhputzer davor. Gremm ließ sich eine halbe Stunde die Schuhe putzen, weil er dachte, das bringt Glück. Und dann klappte alles mit dem Vertrag!““

Wolf Gremms „Fabian“ ist wegen durchgehender Perfektion jede einzelne Sekunde sehenswert!

Selten sieht man einen Kinofilm, der keine Längen birgt. Gremms „Fabian“ ist so einer, denn er besticht vor allem durch Kreativität und Vollkommenheit! Jeder Darsteller, bis hin zur kleinsten Nebenrolle, ist in „Fabian“ Ausdruck von gediegener Vollendung! Ausstattung, Drehorte, Schnitte, Kamera-Führung, Dramaturgie – bei „Fabian“ stimmt, fließt und harmoniert absolut alles miteinander und ineinander. „Fabian“ erzählt die satirische Geschichte Berliner Zustände in der Weimarer Republik Ende der 20er Jahre. Als um 1930 die Weltwirtschaftskrise ausbricht, wird der 32jährige Germanist Dr. Jakob Fabian (Hans-Peter Hallwachs), der als Adressenschreiber und Zigarettenreklame-Texter arbeitete, arbeitslos. Er besucht Etablissements für sexuell Abartige und säuft mit Journalisten, viele der Arbeitslosen sind zu dieser Zeit gepflegt, gestylt (Hut, Anzug, polierte Schuhe), die Frauen fast alle Prostituierte. Jakob Fabians einzig wahrer Freund Literaturwissenschaftler Labude (Hermann Lause, „Schtonk!“) sorgt aufgrund eines tragischen Witzes für viel Dramatik. Von der Machart erinnert Wolf Gremms „Fabian“ an Fassbinder-Produktionen – mit dem Unterschied, dass Gremms filmische Umsetzung des Erich-Kästner-Romanes mit unvorhersehbarem Ende viel besser und perfekter ist, als irgendein Fassbinder-Film.

„Fabian“ von Wolf Gremm wurde am 14. Dezember 2011 im Filmkunst 66, Bleibtreustraße 12, 10623 Berlin, wiederaufgeführt und erschien am 08. November 2004 als DVD bei Universum Film GmbH.

Veröffentlicht am 2014-09-21, in Kino. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: