„Mauerpark“ Dokumentarfilm von Dennis Karsten, neu im Kino

Berliner erinnern sich ans Niemandsland. Auch „Kein-Berliner“ Wladimir Kaminer („Russendisko“) kommt zu Wort. Er findet, dass die Berliner „nichts aus ihrer Geschichte machen. Die Vietnamesen zum Beispiel, bauten ihre unterirdischen Gänge nach und vergrößerten sie. Viele Amerikaner interessieren sich für die Details des vietnamesischen Krieges, also fliegen sie nach Vietnam und wollen auch diese unterirdischen Tunnel besichtigen, die vietnamesische Soldaten damals gruben. Diese amerikanischen Touristen passen natürlich nicht in diese Tunnel hinein, weil sie ja für vietnamesische Soldaten gegraben wurden. So haben die Vietnamesen die Tunnel vergrößert, mit Imbissbuden ausgebaut – für Amerikaner vertraut – damit sie sich unter der Erde nicht sehr fremd fühlen. Und das funktioniert! Das ist ein richtiger Umgang mit der Geschichte des eigenen Landes. Was machen die Deutschen? Die bauen alles ab, schmeißen die Steine weg, und tun so, als wäre nie etwas gewesen.“

Mauerpark – Kultureller Schmelztiegel unterschiedlichster Couleur

Trubel, Trompeten, ausländische Künstler, die den Mauerpark malen, heimische Sonnenanbeter, Ex-Marzaner-Basketballer, Shisha-Raucher – der Mauerpark ist inzwischen internationaler Treffpunkt unterschiedlichster Leute, verschiedenster Couleur geworden, „Digitale Bohemians“, „Urbane Penner“ – manche bezeichnen sich selbst als Straßenköter, deren Rudel der Mauerpark ist. Anfangs gab es im Mauerpark Interessenkonflikte, doch in den letzten Jahren hatte sich alles wunderbar vermengt. Trommler, Tänzer, Griller, der sonntägliche Flohmarkt, indische Hippies, türkische Rapper, Feuer-Künstler, Abend-Romantik und das überaus beliebte Sonntags-Karaoke – ein Massen-Event von Joe Hatchiban. Der Mauerpark ist international schwer angesagt, so einen kunterbunten Park gibt es nicht in London und auch nicht in Paris!

Mauerpark – Punker jongliert mit Doktor und Professorin

Regisseur Dennis Karsten filmte den Mauerpark zu allen Tageszeiten. Morgens, wenn die Flohmarkt-Verkäufer ihre Verkaufsstände aufbauen, Künstler ihre Stein-Skulpturen bauen, Punker (die zusammen mit Doktoren und Professoren aus München jonglieren), Akrobaten, Verliebte, Party-People, die vom Feiern abchillen, der Mauerpark von Oben – kunterbunte Menschen, – Typen – , wie in einem Ameisenhaufen – der schottische Dudelsack fehlt natürlich auch nicht. Artistik, Yoga und Musik spielen im Mauerpark eine ganz große Rolle, diese körperliche Betätigung formt den Geist und den Spirit des Mauerparks! Abends darf man sich nicht wundern, sieht man Weiße zu afrikanischen Stamm-Tänzen ausflippen, zum Music-Cocktail aus Saxophon und Getrommle. Und echte Mauerpark-Ameisen werden zum Ende des Filmes auch noch abgefilmt!

„Fuck for Forest“ – Rettet die Natur!

„Mauerpark“ enthält ein interessantes Interview über „Fuck for Forest“. Dabei handelt es sich um eine erotische Webseite, deren Basis eine Naturschutz-Organisation ist. Die alternativen Betreiber suchen nach Leuten, die Nacktfotos machen, Sexfotos oder Sexvideos und dadurch Geld sammeln, um die Natur zu schützen. Im Mauerpark finden sie neue Leute zum flirten, da dort eine nette Atmosphäre herrscht. Dr. Motte („Loveparade“-Gründer), der „hinter den Plattenspielern sterben“ möchte, legt neuerdings open air im Mauerpark auf und auch DJ Tanith schlendert hindurch. Die Mauer, die den Park von der Max-Schmeling-Halle trennt, dient Graffiti-Künstlern als Open-Air-Leinwand. Alles sehr schnelllebig, denn so ein Kunstwerk hält sich zirka drei Tage, bevor es mit einem neuen übermalt wird. Wenn man Pech hat, einen Tag – wenn man Glück hat, eine Woche. Leider wird der Platz, auf dem der beliebte Wochenend-Flohmarkt stattfindet, demnächst mit einer Häuserwand bebaut, so dass neben den Bars und Imbissständen auch das abendliche Sonnenuntergangs-Panorama des Mauerparks entrinnt.

„Mauerpark“ ist ein liebevoll gezeichnetes Portrait über das Herzstück aus Berlin

Der „Mauerpark“-Soundtrack stammt komplett aus dem Mauerpark. Dennis Karsten interessieren Außenseiter, Menschen außerhalb der Norm. „Dort ist die letzte Freak-Oase im Prenzlauer Berg”, sagt Karsten. “Sonst ist die alternative Szene weggezogen und hat den Prenzlauer Berg verlassen.“ (Quelle: Bier statt Blumen). Poetisch gelingt es ihm, den Charme, den der Mauerpark im Prenzlauer Berg versprüht, mit all seinen herrlichen Besuchern – vom Freak zum Touristen, bis hin zu seinen anderen Bewohnern: Insekten und Nebelkrähen (die Hundewiese wurde ausgelassen) – altruistisch zu porträtieren. Besonders!

  • „Mauerpark“ startet am 07. Juli 2011 im Verleih der Filmblut Production, vorerst im Berliner Lichtblick und Central Kino, Freiluftkino-Vorführungen sind geplant
  • Premiere am 06. Juli 2011 im Central Kino Berlin

Veröffentlicht am 2014-09-21, in Kino. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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